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Opfer, gerade Mädchen, waren oft bereits Opfer bevor sie vergewaltigt und/oder ermordet wurden. Viele stammten aus kaputten Familien, manche lebten in Jugendheimen. Was diese Mädchen eint: Sie sehnen sich nach Zuneigung. Das macht es für potenzielle Täter so einfach, sie „rumzukriegen“.
Zu was auch immer. Erst einmal.

Doch im Fall des 15-jährigen Mädchen mit dem schönen Namen Noelle, das von BILD im Rahmen ihrer Berichterstattung „Odette“ genannt wurde, war alles ganz anders … oder vielleicht auch nicht. Der Punkt ist aber: Noelle war von Haus aus kein „tiefgefallener Engel“, kein „fehlerhaftes Produkt“, wie es Olli Schulz in seinem Klassiker „Koks & Nutten“ so schön besang. Gut, ihre Mutter war alleinerziehend, aber das ist ja heutzutage – so bitter es auch klingen mag – schon fast normal.

Noelle war eines von diesen Mädchen, die sich nicht unterkriegen lassen. Selbst als da etwas passierte im Leben der 15-jährigen, etwas Schreckliches, behielt sie ihre Lebenslust. Dabei hat sie der Missbrauch, über den wir nichts weiter wissen und auch nichts wissen wollen, sehr mitgenommen. Natürlich.

Ganz langsam nur hatte sie sich ihrer Mutter offenbart. Hilfe, auf welche Art auch immer, lehnte Noelle ab: „Ich möchte kein Opfer sein.“
Das sagte sie zu ihrer Mutter.

Noelle war ein kluges Mädchen. Sie ging aufs Gymnasium und spielte so gut Schach, dass sie all ihre Familienmitglieder schlug. Sie hatte ein großes Herz, setzte sich für andere ein, wohl auch deshalb wählte ihre Klasse Noelle zu Sprecherin. Sportlich war sie auch, tanzte Ballet.

Doch 2020, irgendwann in der ersten Jahreshälfte, verschloss sich Noelle und baute in der Schule ab. In Teilen der Presse wird so getan, als hätte das an dem Missbrauch gelegen, doch Noelles Mutter erzählt eine andere Geschichte. Eine Geschichte, die Millionen Kinder und Jugendliche betrifft, eine Geschichte über die in den Massenmedien eher zähneknirschend berichtet wird.

Die Tristesse des ewigen Lockdowns

Die Tristesse des ewigen Lockdowns, in dem wir uns seit über einem Jahr mal mehr, mal weniger befinden, soll es gewesen sein, die Noelle dazu gebracht hat, die Schule nicht mehr so wichtig zu nehmen. Was Sinn ergibt. Wieso sollten Kinder und Jugendliche etwas wichtig nehmen, das „die da oben“ einfach mal so für mehrere Wochen schließen?
Es folgte, was Liedermacher Reinhard Mey über 25 Jahre vor dem ewigen Lockdown so unvergleichlich in „Kati & Sandy“ besang:

Und dann lässt Sandy schon mal zwei, drei von den Fläschchen mitgehn
Die im Supermarkt körbeweis vor der Kasse stehn
Die, die den lustigen Spaß im Glas verheißen
Das reicht dann, um für ein paar Stunden auszureißen
Aus der Trostlosigkeit, aus dem Schrott, aus dem Schwund
In eine Welt, wie im Werbefernsehn, so schön und so bunt

Es war eine laue Sommernacht in Berlin, wir schreiben den 4. August, als das Mädchen Noelle, das kein Opfer sein wollte, abermals ein Opfer wurde …

Ende Teil I

Die Geschichte des Mädchens Noelle (†15) | Teil II

Symbolfoto: Thylane Blondeau

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