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Sexuelle Belästigung, das ist ja heute schon, wenn du einer Frau „Guten Morgen!“ sagst. Bald haben wir Verhältnisse wie in den USA, wo Männer mit Kolleginnen nicht mehr gemeinsam Fahrstuhl fahren – aus Angst vor Falschbeschuldigungen.

BILD ist noch dazu ein Sonderfall. Redaktionsarbeit im Allgemeinen, aber eben vor allem bei einer Tageszeitung wie BILD. Es ist ein Rattenrennen mit der Konkurrenz darum, wer Meldung XY als erster herausbringt. Da kann es schon mal ungemütlich werden.

„Du bist ja geistesgestört!“

Bis in die neunziger Jahre ging in den Redaktionsstuben in etwa zu, wie in einer gehobenen Restaurantküche, es war völlig normal, dass ein – meist unfähiger – Mitarbeiter angebrüllt wurde, ja sogar beschimpft.
„Du bist ja geistesgestört!“, brüllte mein damaliger Chefredakteur Peter Bartels einen Kollegen mitten in einer vollbesetzten Redaktionskonferenz an, nur weil ihm ein Themenvorschlag nicht passte. Soweit geht es heute nicht mehr, sicher. Aber dennoch: Zeitungsredakteur ist und bleibt ein ganz spezieller Beruf.

Das hängt auch damit zusammen, dass die gehobenen Redaktionspositionen Schleudersitze sind, ähnlich wie Fußballtrainer. Die Jungs und die Mannsweiber (die es in gehobene Positionen schaffen), stehen immens unter Druck und der Druck wird nach unten weitergegeben. Das mag nicht schön sein, ist aber völlig normal.

Fazit: Für die meisten Frauen ist ein handelsüblicher Redaktionsalltag nicht gemacht.

Die große Merkel-Verschwörung gegen Reichelt?

Ach, Eines noch: Kollege Boris Reitschuster hat das Thema von einer ganz anderen Seite angepackt. Er glaubt an die große Merkel-Verschwörung gegen Julian Reichelt:

Ich kenne den Kollegen Julian Reichelt von der Bild persönlich und habe mich auch an ihm gerieben. Intern ist er wegen eines laut seinen Kritikern autoritären Führungsstils und dem Setzen auf ausgewählte „Lieblinge“ umstritten. Doch in meinen Augen ist er einer, der den Mut hat, zumindest nicht ganz mit dem Strom zu schwimmen. So schreibt er etwa für die „Achse des Guten“ – was in den Augen der meisten Journalisten heute schon eine Art Ketzerei ist. Letzter Beitrag dort, vergangene Woche: „Der Staat scheitert – und zahlt es uns heim“. Da ist die Rede von einem „willkürlichen Staat, der Menschen drangsaliert“. 

Man mag es drehen und wenden, wie man will: Es spricht viel dafür, dass der unbequeme Reichelt, ohnehin schon eingehegt durch stramm rotgrüne Ideologen mit direktem Draht in die Regierung wie seinem Vize Paul Ronzheimer, abgeschossen werden soll. Mit doppeltem Effekt, wenn man nach einer Weisheit geht, die Mao zugeschrieben wird: „Bestrafe einen, erziehe Hundert“.

Nette Theorie, an die ich allerdings nicht glaube, da die Vorwürfe und auch die ersten Ermittlungen bereits älter sind.

Nachtrag: Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, ist mir eine Merkwürdigkeit aufgefallen: Warum werden die, wie gesagt, bereits älteren Vorwürfe und Ermittlungen ausgerechnet nur ein paar Tage nachdem Julian Reichelt von Merkels Willkürstaat schrieb veröffentlicht? Könnte also doch was dran sein, an der großen Merkel-Verschwörung gegen den BILD-Chef.

Interessante Buch-Neuerscheinungen für Euch

Flo Osrainik: Das Corona-Dossier – Unter falscher Flagge gegen Freiheit, Menschenrechte und Demokratie

Kristian Niemietz: Sozialismus – Die gescheiterte Idee, die niemals stirbt

Doris Reisinger & Christoph Röhl: Nur die Wahrheit rettet: Der Missbrauch in der katholischen Kirche und das System Ratzinger

Jörn Leogrande: Bad Company – Meine denkwürdige Karriere bei der Wirecard AG. Geld, Gier und Grössenwahn

Diana Kinnert & Marc Bielefeld: Die neue Einsamkeit – Und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können

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5 Bemerkungen

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  • Die “nette Theorie” Reitschusters hat einiges für sich. Die Vorwürfe mögen schon älter sein, Reichelts Ausscheren aus Reih und Glied ist es aber auch. Das mag dem Autor entgangen sein, aber Reichts hat schon früher für die Achse geschrieben. Auch hat er im bayerischen Landtagswahlkampf sich sehr kritisch mit dem grünen Doofchen Katharina Schulze auseinandergesetzt. Schon seit einiger Zeit fährt die Bild einen zunehmend kritischen Corona-Kurs. Es gehört nicht viel Phantasie dazu zu erkennen, daß dies der Politik und den anderen regierungstreuen pressevertretern nicht paßt.

  • Und was sollte uns der Beitrag sagen? Nur, dass Herr Reitschuster im Unrecht ist. Etwas dünn, die komplexen Verflechtungen des Springer-Konzerns sind es hingegen nicht.

  • Na klar kann da was dran sein, an der “Merkel-Verschwörung”.

    Reichert ist auch nur einfacher Mitarbeiter. Wem gehört den Bild? Richtig, dem Springer Konzern.

    Und wer hat da ein Wörtchen mitzureden? Richtig, Frau Springer, einer “Freundin” von Merkel.

    Ist es ausgeschlossen, dass diese Frau Springer ihre “Freundin” Merkel schützen will? Oder Merkel mal bei der Frau Springer anruft (anrufen lässt) mit Ansage: Kümmer dich mal um den Reichert?

  • wenn ich das richtig verstanden habe soll es sich laut “taz” nicht unbedingt um sexuelle Belästigung drehen (… um „Machtmissbrauch und die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen“ gehen. Möglich seien auch Vorwürfe von Nötigung und Mobbing…)
    Interne Ermittlungen bei der „Bild“: Vorwürfe gegen Julian Reichelt

    Laut Medienberichten gibt es Vorwürfe gegen „Bild“-Chef Julian Reichelt. Machtmissbrauch und Nötigung sollen unter anderem im Raum stehen.
    Chefredakteur der Bild-Zeitung, Julian Reichelt vor Bild-Logo

    Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild-Zeitung Foto: Jörg Schüler/imago

    Gegen den Chefredakteur der Bild-Zeitung, Julian Reichelt, sollen interne Ermittlungen des Axel-Springer-Verlags laufen. Das berichtete das Nachrichtenmagazin Spiegel am Montag. Es soll demnach Vorwürfe von wiederholtem Fehlverhalten gegenüber Frauen geben. Wie der Spiegel berichtet, sollen rund ein halbes Dutzend Mitarbeiterinnen Vorfälle aus den vergangenen Jahren bei Springer angezeigt haben. Das Branchenmagazin Meedia berichtet von mehr als zehn weiblichen wie männlichen Personen, die Reichelt beschuldigen. Der Springer-Konzern kümmere sich mit einem Team unter der Leitung von Chief Compliance Officer Florian von Götz um die Aufklärung der Sachverhalte.

    Das genaue Ausmaß der Vorwürfe ist noch unklar. Laut Spiegel soll es bei dem Compliance-Verfahren um „Machtmissbrauch und die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen“ gehen. Möglich seien auch Vorwürfe von Nötigung und Mobbing. Für die Klärung habe der Springer-Konzern die Angelegenheit an die Anwaltskanzlei Freshfields übergeben.

    Auf Anfrage der taz wollte sich Reichelt selbst nicht äußern. Ein Sprecher des Springer-Unternehmens antwortete: „Zu internen Vorgängen äußern wir uns grundsätzlich nicht.“ Dies gelte auch für Julian Reichelt.

    Jan Böhmermann, Moderator der ZDF-Sendung „Neo Magazin Royale“, hatte bereits in der zuletzt ausgestrahlten Sendung vergangenen Freitag interne Ermittlungen gegen den Bild-Chef angedeutet. Auf Twitter schrieb er dazu ebenfalls am Freitag: „Wer nicht gerade bis zum gepuderten Näschen in einem unappetitlichen Compliance-Verfahren steckt, kann JETZT gerne einmal mit dem @zdfmagazin der Frage nachspüren“.

    Im Februar 2017 hatte Reichelt als Nachfolger von Kai Diekmann die redaktionelle Gesamtverantwortung der Bild-Zeitung übernommen. Nach dem Ausscheiden von Tanit Koch am 1. März 2018 übernahm Reichelt dann auch den Posten als Chefredakteur der Printausgabe der Bild.

    2018 berichtete der Spiegel darüber, was passiert war, als eine Springer-Mitarbeiterin den früheren Bild-Chef Diekmann „der Vergewaltigung“ beschuldigte. Die Frau hatte sich nach dem Vorfall an Springer gewandt. Externe Rechtsexperten hatten ihren Vorwurf geprüft und kein strafrechtliches Verhalten Diekmanns festgestellt, hieß es. Erst im Anschluss war der Vorfall an die Staatsanwaltschaft übergeben worden, schrieb der Spiegel. Diekmann hatte den Vorwurf stets bestritten.

    Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte das Verfahren 2017 wegen sexueller Belästigung damals eingestellt. Zur Begründung hieß es vonseiten der Anklagebehörde, es ließe sich kein hinreichender Tatverdacht begründen. Es stand Aussage gegen Aussage. Objektive Beweismittel fehlten.

    Der Vorfall soll sich im Sommer 2016 beim Baden im Rahmen einer Klausurtagung bei Diekmanns Haus in Potsdam zugetragen haben. Wie der Spiegel 2018 rekonstruierte, habe sich Diekmann nach den Vorwürfen an Reichelt gewandt. Dieser soll ein Gedächtnisprotokoll der Nacht angefertigt haben, obwohl er beim tatsächlichen Baden nicht dabei gewesen war. Außerdem soll er darin über seine Erfahrungen mit der Mitarbeiterin geschrieben haben, die „einer charakterlichen Vernichtung gleichkommt“. Der Spiegel schrieb über Reichelts Recherche, in die zwei weitere Mitarbeiter involviert waren, sie sei wie „eine ‚Bild‘-Kampagne im eigenen Haus“ abgelaufen.

    Wie schnell sich der aktuelle Sachverhalt um die Vorwürfe gegen Julian Reichelt aufklären lässt, ist unklar. Da es sich um zahlreiche Beschuldigungen aus den vergangenen Jahren handeln soll, könnte sich dies in die Länge ziehen.

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