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Man hatte sie vor ihm gewarnt. Er wäre ein Unorthodoxer, einer, von dem einige sagten, er sei der Geistreichste, weil überraschend, andere, einfach verrückt. Daß man so einen im Universitätsbetrieb überhaupt duldete. Außerdem sei dieser alte Sack häßlich, vielleicht nicht gerade häßlich, aber irgendwie kauzig und bizarr aussehend, der sogar noch im Juni einen Mantel trug. Den er übrigens immer tragen würde. Er sei barsch, beleidigend und anstrengend und ungerecht bei Verteilung der Noten – ein Arsch halt.

Es war im September, das erste Semester, die erste Vorlesung in Literaturwissenschaft, und der Hörsaal war bis auf den letzten Sitz ausgefüllt, so daß viele in den Seitengängen stehen mußten. Die Erstsemester fühlten sich zum ersten Mal als ein »ganzer Mensch«, weil sie ja keine Schüler mehr waren, sondern echte Studenten und Studentinnen, naja, eher Studentinnen, weil deren Anteil in diesem Fach fast Dreiviertel betrug. Und nach dem Marathon der zig Anmeldungen, Immatrikulation, Versicherung, Studentenausweis und so weiter, genossen sie es, endlich als Erwachsene im Lernbetrieb kommen und gehen zu können, wie es ihnen behagte. Jedenfalls in der Theorie.

Schließlich erschien der Professor, und alle waren trotzdem überrascht, daß er genauso aussah wie gerüchteweise vermeldet. Ein zwar nicht buckeliger, aber stets unnatürlich nach vorn gebeugter, ja, geknickter 60er mit graumeliertem, zerzaustem Haar und vertikalfaltigem, scharfkantigem Gesicht. Seine Kleidung, Hemd und Hose ausgeblichener, unbestimmter Farbe, sah nicht einmal altmodisch aus, sondern im sprichwörtlichen Sinne nach gar nichts. Ja, er besaß etwas Transparentes, wenn man den Ausdruck für die extremste Form von Unauffälligkeit und Übersehen-Werden verwenden durfte.

Er schaute das Publikum vom ersten Augenblick an nicht direkt an, weil er es wohl als so etwas wie eine uninteressante, amorphe Masse wahrnahm, stellte sich im Profil vor die große Tafel, rüttelte einmal am rechten Bügel seiner klobigen Brille und sprach anstatt zu den Studenten zu irgendwelchen imaginären Punkten auf den Boden.

»Ich will nicht bei Adam und Eva anfangen«, sagte er ohne eine Begrüßung. »Die Grundlagen stehen ja alle im Lehrbuch, informieren Sie sich da. Vielleicht kennen Sie sie ja auch schon noch aus der Schule.«

Dann schien tatsächlich etwas Leben in ihm zu kommen, und er hob belehrend den Zeigefinger.

»Stattdessen springen wir gleich ins kalte Wasser und beschäftigen uns mit dem Roman. Es gibt grundsätzlich drei Arten von Roman. Der erste ist der Reiseroman, also eine lange Geschichte, die sich um eine Reise in das uns Fremde dreht, was auch eine innere Reise sein kann. Beginnt schon mit der Odyssee. Selbst der Abenteuerroman, ja, Sciencefiction oder Fantasy sind Reiseromane, weil uns dort noch nie gesehene Sehenswürdigkeiten begegnen. Das Zweite ist der Gesellschaftsroman, den ich Ihnen wohl nicht großartig zu erklären brauche. Les Misérables ist das berühmteste Beispiel dieses Genres, und sogar Kafka schrieb eigentlich romanartige Stücke über seine Gesellschaft. Das Dritte schließlich ist der Erlebnisroman, in dem jemand das aufregend Erlebte wiedergibt oder so tut, als hätte er es erlebt. Robinson Crusoe ist so ein Fall …«

»Aber es gibt doch auch noch den Liebesroman, Herr Professor!«

Es war schon etwas komisch, daß solch ein Zwischenruf ausgerechnet von einer Studentin im linken Seitengang kam, die mit ihrem lila und blau gefärbten kurzen Haaren, kohlschwarzem Outfit mit allerlei chromglänzenden Knöpfen, Nieten und Schnallen und jede Menge Metall im Gesicht eher der Antifa zuzugehören schien. Von solch einer Figur hätte man eher einen hysterischen Rabatz-Zwischenruf mit irgend etwas »Dekonstruktion weißer Literatur» oder Ähnliches erwartet.  Doch sie lächelte nur unschuldig, während ein unterdrücktes Prusten durch den ganzen Hörsaal ging.

»Vielen Dank, daß Sie uns in die vierte Dimension des Romans eingeführt haben«, antwortete der Professor daraufhin wie aus der Pistole geschossen. “Aber leider gibt es die nicht. Der sogenannte Liebesroman ist in Wahrheit die literaturisierte Form des Lovesongs bzw. des Schlagers. Er ist fixiert auf nur ein einziges Gefühl, auf eine einzige Ausnahme-Emotion, auf einen schwelgerischen Moment, der meist in der Jugend wahrnehmbar ist und dann wieder verschwindet und durch Zuneigung ersetzt wird. Wenn überhaupt. Und obwohl der sogenannte Liebesroman diverse gesellschaftliche oder menschliche Konflikte wie Historie, Krieg, Generationskonflikt usw. als Staffage um sich herum aufbaut, bleibt er so etwas wie eine Gespenster-Geschichte, eine Erzählung um eine imaginierte Idee. Nicht beachtenswert.”

Nachdem die Vorlesung geendet hatte, begab sich der Professor schnurstracks nach Hause, ohne sein Dienstzimmer in der Universität nochmal aufgesucht zu haben. Dort zog er wie üblich die Vorhänge zu und, da er sich dem Fortschritt der Audio-Technologie schon seit ein paar Jahrzehnten verweigert hatte, legte er auch wie üblich Chopin auf den Plattenteller.

Bis zum Abend vertrieb er sich die Zeit mit schwerer Lektüre mittelalterlicher Dichtung. Dabei wartete er in Wahrheit sehnsüchtig den Zeitpunkt ab, dieser war stets so um zwanzig Uhr, um seine Flasche Cognac bis zu seinem eigenen Knockout zu leeren. Und dabei zu schreiben …

… Seinen Liebesroman zu schreiben …

**********

Es war im Juni 1983, und aus dem Radio und den Lautsprechern der Boutiquen erschallte unentwegt I Like Chopin von Gazebo. Ich hatte ein 12-Quadratmeter-Zimmer ganz in der Nähe der Uni ergattert, zu dem ich durch die Vermittlung eines 36jährigen Langzeitstudenten gelangt war. Damals gab es diese Spezies tatsächlich. Er besaß eine weit fortgeschrittene Halbglatze, und da die Radikal-Glatze, um den Mißstand zum ultimativen Männlichkeits-Look umzuwandeln, von Bruce Willis zu der Zeit noch nicht erfunden worden war, sah er doppelt so alt aus.

Ich hatte ihn zufällig kennengelernt, als ich mir von der Provinz kommend einen Monat vor dem ersten Semester die Uni, in der ich Germanistik studieren sollte, ein bißchen angucken wollte. Eigentlich war er ein furchtbar netter und hilfsbereiter Kerl, bloß daß aus seinem ganzen Wesen sprach »Ich bin ein Versager und wenn ich mal eine Frau abkriege, kann ich auch Wasser in Wein verwandeln«. Aber wie gesagt, er half mir bei der Zimmersuche: Ein guter Mensch!

Heute sollte es losgehen, heute sollte die allererste Vorlesung um zehn Uhr vormittags stattfinden, und als stünde die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an mich bevor, war ich vor lauter Nervosität und Neugier schon um Sechs aufgestanden. Die ersten zwei Stunden tat ich so, als würde ich frühstücken, obwohl ich nichts runterkriegte. Dann reichte es mir, ich duschte mich, kämmte mich akkurat und ging raus. Schließlich war es schon um diese Uhrzeit so um die 20 Grad draußen und es würde bis zu Mittag bestimmt über 30 Grad werden.

Als erste Amtshandlung bei meinem Eintreffen hatte ich den Straßenbahn-Plan auswendig gelernt, so daß ich die vielen Linien aus dem Effeff kannte und wußte, wie ich rasch in die Stadt gelangen konnte.

Ich lief ziellos, nichtsdestoweniger wie ein Musterstudent mit einer Aktentasche, in der sich zig Notizblöcke und mindestens zehn Kugelschreiber befanden, in Richtung Uni. Meine engen schwarzen Röhrenjeans, so wie es die Punker damals trugen, betonten meine rebellische Seite, das von Mama gewaschene und gebügelte hellblaue Hemd hob meine bürgerliche Seite hervor. Mann, war ich ein flexibler angehender Germanist!

Alles war wunderbar, weil ja das inflationär sonnige Wetter mitspielte, und es überkam mich so etwas wie ein Wendepunkt-im-Leben-Gefühl, obwohl mein bisheriges behütetes Leben in der Kleinstadt, wo ich herkam, auch nicht gerade der Panzerschlacht um Stalingrad geglichen hatte.

Irgendwann hatte ich von der blöden Wanderei und dem Geschleiche um das Ziel die Nase voll und ich setzte mich an einem der Tische, die ein Café am Rande des Marktplatzes rausgestellt hatte. Das war eine Rarität damals. Das sogenannte italienische Lebensgefühl, das jedenfalls als Klischee stets mit Freilicht-Gastronomie verbunden ist, begann sich hierzulande in den 80ern erst langsam zu entfalten, weil die Behörden noch sehr streng mit den Genehmigungen für die »Gestaltung des Außenbereichs» eines Restaurants und ähnlicher Lokalitäten waren. Wenn man so will, war ich ein Trendsetter.

Während ich mir die Vorbeieilenden auf dem Platz vor mir betrachtete, löste sich die Spannung in mir. Klar, die Alten beachtete ich gar nicht, sie waren wie Luft für mich. Aber die Jungen …  also die jungen Frauen. Der Jeans-Wahn stand auf seinem Höhepunkt, aber es waren ganz andere Jeans als die in den 70ern. Oben etwas ausladend und zu den Füßen runter sehr eng. Karotten-Hose nannte sich das.

Bei den Frisuren der Damen herrschte vorwiegend der Kim-Wilde-Style, eine Explosion von blond gefärbten, toupierten Haaren, eine Art gebändigte Löwenmähne, quasi die radikale Weiterentwicklung des Marilyn-Monroe-Looks. Beliebt war auch der Vokuhila, bei dem die Seiten sehr kurzgehalten wurden, dafür oben und hinten alles wucherte. Mysteriöserweise sprang der Voku irgendwann auf die Männer über.

Der Minirock wurde veredelt oder besser gesagt individualisiert. Die Mädchen schmückten das Röckchen nun mit Sicherheitsnadeln, Patches, draufgenähten Bändern und ähnlichem Accessoire aus.

Überhaupt war Second Hand der letzte Schrei, die Second-Hand-Läden schossen schneller als Pilze aus dem Boden. Jede modebewußte Sie kombinierte alte Männer-Hemden mit irgendwelchen Opa-Westen oder Omas Sommerkleid mit einer Jeansjacke drüber. Ach ja, dann gab es da noch die lila Latzhosen-Fraktion, aber die hat irgendwann die Evolution aussortiert.

Schminkten sich Frauen in früheren Zeiten nur zu besonderen Anlässen, wurde jetzt um die Wette und bewußt auffällig und grell geschminkt, als stünde jeden Morgen ein Galaauftritt bevor. Wie in der Musik mit dem Ausbruch des britischen New Wawe, so verhielt es sich jetzt auch mit allen kulturellen Erscheinungsformen kunterbunt, vielfältig und schreierisch.

Ich fühlte mich so richtig wohl in meiner Haut, wie ich an meinem Kaffee nippte und das Defilee der auffälligen Schönen auf dem Platz an mir vorbeiziehen ließ. Zwar hatte ich keine Freundin, und auch sonst kannte ich fast niemanden in der neuen Universitätsstadt, aber einerseits ließ es mich kalt, und anderseits wußte ich, daß dies alles sich noch ergeben würde. Was für ein lausiger Prognosist ich doch gewesen war!

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, aber ich glaube, eine innere Stimme sagte mir in diesem Moment, daß ich niemals mehr so ausgelassen und glücklich sein würde. Und schmerzfrei.

Natürlich war das die halbe Wahrheit. Schon bald würde ich in Glückschauern baden, deren Wucht und Intensität ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Doch es würde ein falsches Glück sein, weil im Hintergrund stets die Angst vor dem Verlust dieses Glücks lauerte, der tiefe Fall. Ja, so würde es kommen.

Am Wochenende wollte mich Marlene besuchen, eine alte Schulfreundin, die ich wirklich sehr mochte. Wir hatten es auch einmal miteinander getrieben. Aber es hatte weder mir noch ihr gefallen, es war sowas wie eine Verzweiflungstat gewesen, genauer wie ein Unfall, und wir verloren danach nie mehr ein Wort darüber. Das Ganze war uns sehr peinlich. Dennoch blieben wir die besten Kumpels.

Und dann, die Vorlesung sollte in einer halben Stunde beginnen, passierte es …

Sie war un … wirk … lich … Sie war un … antast … bar … It Came from Outer Space …

Kurz fragte ich mich, ob die Leute auf dem Platz das auch so sahen, ob sie auch wie ich erkannten, daß jetzt etwas Außergewöhnliches, ja, Unvorstellbares in Erscheinung getreten war. Ich meine, sie trug weiße Abendhandschuhe bis zu den Ellbogen mit großer Schleife und Spitzen-Einsätzen!

Die junge Frau besaß ein Porzellan-Gesicht, geradeso, als sei es in einer Manufaktur von Kunsthandwerkern geformt worden. So zart, so zerbrechlich, so feingeschnitten war es, eher ein Designobjekt, als aus Fleisch und Blut. Ihre azurblauen Augen schauten nicht, sie glühten intensiv von innen heraus wie von grellen Lampen dahinter angestrahlt. Ihre kupferfarbenen, schulterlangen Haare befanden sich in einer anderen Zeitdimension als in der der unsrigen, denn sie schwangen und wehten tatsächlich in Zeitlupe in alle Richtungen.

Sie trug ein Second-Hand-Spaghettiträger-Kleid aus den 60ern oder so, das mit riesenhaften Blumenmotiven in schwindelerregenden und satten Farben bedruckt war und ihre Wespentaille noch enger zusammenschnürte. Darunter hob sich ein in genau richtigem Volumen und Größe zur Vollendung gelangter Birnenhintern. Ihre Brüste schienen nicht besonders groß zu sein, doch da sie offenkundig keinen BH trug, bildeten sich die extrem großen und steifen Nippel ab. Und natürlich schritt sie nicht, sie schwebte.

Aber das alles war es nicht, was sie so irreal machte. Es gibt das Wort ätherisch, das in seiner ursprünglichen Bedeutung für flüchtig und angenehm riechend steht. Doch diese Frau war mehr als ätherisch, sie besaß eine eigene geheimnisvolle Aura, eine Art flirrende, transparente Blase um sich, ja, sie selbst war das Geheimnis, zu dessen Enträtselung nur die karmesinrot geschminkten großen Lippen, das konstant still in sich lächelnde Gesichtchen, diese ultrablauen Augen und eine schwarze Retro-Lack-Damentasche erste Anhaltspunkte lieferten. Und die strahlendweißen Abendhandschuhe.

Dann wachte ich aus der Ohnmacht auf. Ich war zwar nicht wirklich ohnmächtig gewesen, aber ihr Anblick, als sie in einiger Entfernung vor dem Café vorbeischlenderte und mein Blick schließlich an ihrem immer kleiner werdenden Hintern haften blieb, bis sie schließlich ganz verschwand, hatte mich in eben solch einen Zustand versetzt. “Komm zu dir, Junge!” sagte ich mir und verpaßte mir im Geiste links und rechts Ohrfeigen. »Solche Frauen werden in einer anderen Fabrik gebaut, weit, weit weg hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen. Wenn du glaubst, daß du bei so einer einen Stich haben kannst, solltest du besser Zauberei und Hexerei studieren.«

Ich schaute auf die Uhr. Nur noch eine Viertelstunde, bis die Vorlesung anfing.

Als ich den Innenhof der Uni betrat, fühlte ich mich wie auf einer Stehparty. Alle Erstsemester hatten sich dort versammelt, rauchten ihre letzte Zigarette und schnatterten aufgeregt miteinander, weil sie sich gerade erst kennengelernt hatten. Euphorie lag in der Luft. Ich bahnte mir einen Weg durch die Menge frei, weil ich, Vorzeigestudent, der ich zu sein gedachte, unbedingt pünktlich und in der ersten Reihe sitzen wollte.

»Hey du da!»

Wie hätte ich mich wohl mit meinem heutigen Wissen entschieden? Wenn ich in diesem Augenblick, als ich diese fordernde Frauenstimme hinter meinem Rücken zum ersten Mal vernahm, gewußt hätte, daß ich mit einer Reaktion darauf meine ganze Jugend versauen würde. Den Rest irgendwie auch. Anderseits gibt es so etwas wie Schicksal, sagt man, dem man nicht entrinnen könne. Vielleicht ist es so, vielleicht auch nicht. Doch tief in meinem tiefsten Innern weiß ich, daß mich in diesem Augenblick weder mein jetziges Wissen um die folgenden Geschehnisse noch ein anderes Schicksal daran gehindert hätten, mich in mein Unglück zu stürzen. Motten verbrennen sich nun einmal am Licht.

Wieder: »Hey du da, komm mal!«

Ich drehte mich um und wäre nun fast tatsächlich in Ohnmacht gefallen. Sie winkte mich mit ihrer rechten weiß-behandschuhten Hand aus ein paar Metern zu sich. Dabei bohrte sich ihr hypnotisierender Blick aus diesen blauen Ozeanaugen gleich einem Comicstrahl in mich hinein. Hinter ihr standen zwei Männer. Einer von ihnen war ein großgewachsener, kräftiger Schwarzer, der andere einer mit dunklem Teint, ein Orientale vielleicht, ebenfalls ziemlich groß und muskulös.

»Kannst du Französisch?« sagte sie, und ich überlegte kurz, ob es noch andere Stimmen auf der Welt gab, die wie in diesem Fall einem süßlichen Vogelgezwitscher aus einem alten Disney-Film glichen. Dabei stellte ich auch fest, daß mit ihrer Mimik etwas geschah, wenn sie sprach. Es war derselbe Effekt wie bei Schauspielern. Schauspieler sprachen nicht wie normale Menschen, sie setzten alle ihre Gesichtsmuskeln ein, wenn sie etwas sagten, um möglichst große Wirkung zu erzielen. Es war nicht Grimassieren, sondern so etwas wie Aus-dem-Gesicht-eine-Bühne-Machen.

»Nein«, antworte ich, Idiot, weil mir im gleichen Moment einfiel, daß ich im Gymnasium ja drei Jahre Französisch gehabt hatte. Natürlich alles wieder vergessen.

Bevor sie darauf reagieren konnte, setzte ich schnell noch ein »Ich meine, ja« hinterher.

Während ich auf die Drei zuging, sagte sie »Die Typen hier sind aus der Elfenbeinküste und aus Marokko und können kein Deutsch. Sind auch Erstsemester, aber studieren irgendwas Technisches oder so und glauben, daß ihre Vorlesung hier stattfinden würde. Das kann aber nicht sein oder?«

Bei ihnen angelangt, schaute ich mir die Zettel in den Händen der Männer an und stellte fest, daß sie sich ins Ingenieurswesen-Fach eingeschrieben hatten, wobei ich mir nicht erklären konnte, wie das ohne ein Deutschverständnis funktionieren sollte.

»Die müssen zur TU. Hier sind sie falsch«, sagte ich, allerdings unter Mühen, da mich der epochale Duft des Fabelwesens von der Seite, der mit absoluter Sicherheit in irgendeinem Geheimlabor zum Zwecke der Unterwerfung der Menschheit kreiert worden war, mich verstärkt vom Denken ablenkte. Und dann begann ich mit den 10 oder 15 französischen Vokabeln, die bei mir noch hängengeblieben waren, und unter Einsatz einer Gestikulation, die einem Affen zur Ehre gereicht hätte, den beiden klar zu machen, daß die TU im entgegengesetzten Ende der Stadt liege und sie bis dahin dreimal mit der Straßenbahn umsteigen müßten. Mein Engel, der geradewegs von Gott zu mir gesandt worden war, obwohl ich an ihn seit meinem fünfzehnten Lebensjahr nicht mehr glaubte, machte daraufhin ein gespielt tieftrauriges Gesicht, als würden ihr gleich die Flügel abfallen.

»Ach komm, die finden den Weg dorthin nie. Laß sie uns zumindest bis zu der Haltestelle begleiten und ihnen die Linien, die sie nehmen müssen, am Plan aufzeigen.«

»Aber unsere erste Vorlesung – also ich gehe davon aus, daß du auch da hinwolltest – beginnt in drei Minuten», antwortete ich wie der Lotto-Gewinner, der zu doof ist, den Schein zu der Lotte-Stelle zu bringen, um sich die Million abzuholen. Nein, eher wie der vorbildliche Spießer.

»Na und, wen juckt´s. Ist bestimmt eh so eine Begrüßungssache erstmal. Aber okay, wenn du unbedingt nicht …«

Wir marschierten mit den beiden wunderlichen Austausch-Typen, die die Ingenieurskunst in Deutschland erlernen wollten, obwohl sie offenkundig kein Wort Deutsch beherrschten, eine Viertelstunde lang zu der Haltestelle. Dabei sprach sie wie ein Wasserfall, während ich einerseits von Schuldgefühlen geplagt wurde, weil der Herr Musterstudent gleich am ersten Tag mit seinen Disziplinvorsätzen gebrochen hatte, und anderseits mich gleichermaßen eine dichte Wolke der Unwirklichkeit heimsuchte ob des behandschuhten Geschosses mit ihrem faszinierenden Gesichtstheater und ihres einlullenden Geruchs an meiner Seite.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, was sie genau erzählte, aber eigentlich war es auch gleichgültig, denn die sprudelnden Worte hätten auch die Beschwörungsformeln eines Hypnotiseurs an den Hypnotisierten sein können – was sie wohl auch waren.

Wir verabschiedeten die beiden Männer schließlich an der Haltestelle, nicht ohne vorher ihnen an dem Aushang genau eingetrichtert zu haben, welche Bahn sie zukünftig zur TU nehmen müßten.

»Wie heißt du eigentlich?« sagte ich, nachdem die Exoten sich voll des Dankes von uns verabschiedet hatten.

»Odette«, antwortete sie.

»Oh, ein französischer Name.«

»Nein, ein slawischer.«

»Sicher? Ich dachte, er wäre französisch.«

»Kann sein, ist doch egal. Name ist Name.«

»Na gut, Odette, sehr nett, dich kennengelernt zu haben. Dann gehe ich mal besser. Wir sehen uns bestimmt die Tage in der Uni.«

Ich, mit der Flirtfähigkeit einer Klobürste gesegnet, schüttelte ihr allen Ernstes die Hand, drehte mich um und ging.

Okay, ich ging sehr langsam. Sehr, sehr langsam …

Nach ein paar Schritten blieb ich stehen und drehte mich wieder zu ihr zurück. Sie hatte den rechten Arm an die Hüfte gewinkelt und schaute mich so fuchsig an, als wären wir seit 20 Jahren verheiratet und sie hätte plötzlich herausbekommen, daß ich sie die ganze Zeit betrogen habe.

Ich ging wieder zu ihr zurück.

“Das heißt, der Tag ist aus literaturwissenschaftlicher Sicht eh im Eimer. Wenn du vielleicht Zeit hast …”

»Ich will ins Kino«, sagte sie bestimmt.

Wir entschieden uns für “Scarface” mit Al Pacino in der Hauptrolle, nicht gerade ein Frauenfilm. Da es die erste Vorstellung mittags an einem Werktag war, saßen außer uns vielleicht noch 5 Leute im Saal. Aber ich konnte mich auf den Film eh nicht konzentrieren, weil a) neben mir Etwas saß und duftete, von dem ich noch vor eineinhalb Stunden geglaubt hatte, daß ich es vielleicht nur noch in einem grippalen Fiebertraum oder am Sterbebett, wenn die Himmelsschaar auf mich herniedersank, zu sehen und zu riechen bekommen würde, b) ich mich immer eindringlicher zu fragen begann, ob ich mich nicht am Ende selber in einem Film befand, einem falschen natürlich, und c) sie ständig leise Gluckser von sich gab, ja, die ganze Zeit irgendwie unterdrückt quietschte.

Als die Kerle auf der Leinwand schließlich anfingen, sich gegenseitig abzuknallen und mit Motorsägen zu zersägen, tat Odette etwas, was der spannungsgeladenen Aktion natürlich adäquat entsprach. Sie legte ihr Köpfchen ganz zärtlich an meine Schulter und ihre Hand auf meinen Oberschenkel. Ich weiß nicht, womöglich konnte sie in zwei Kinos gleichzeitig sein und guckte sich mit ihrem zweiten Ich gerade irgendeine Schnulze an. Auch wußte ich nicht, wie ich die nächste Stunde – Stunde? Eher die nächsten zehn Minuten! – in dieser Situation in meiner engen Punker-Jeans aushalten sollte, ohne einen Penisbruch oder Hodenkrampf oder wie man das nannte zu erleiden. Ich meine, allein neben einem Traum von mindestens 2 Milliarden Männern auf dem Planeten zu sitzen, erforderte schon eine übermenschliche Körperbeherrschung, aber so? …

Wir näherten uns dem Filmende, und Odette hatte ihr Repertoire der Folterungen wie unbewußt scheinende Streicheleinheiten und Kitzeleien an meinem Nacken noch erweitert. Das Ding in meiner Hose war in der Zwischenzeit ein bestialisch mißhandelter Gefangener geworden und wand sich in seinen Schmerzen. Dabei hatten wir uns noch nicht einmal geküßt!

Dann tat sie es doch, sie küßte mich, wir küßten uns. Es war, als könne man ein Cocktail aus Samt, einer himmlischen Creme und einer flüssigen Droge schmecken und empfinden. Wie sie schmeckte, wie sie glitt, wie sie mich, dem Atheisten davon überzeugte, daß Gott doch existierte, aber ER eine SIE war. Es war ein Geschlechtsakt mit Lippen, Zungen und ihrem wohlschmeckenden Speichel, es war ein Fick, wobei sie mich fickte.

Sie zog sodann ihren rechten Handschuh aus, und ihre bloße Hand wanderte zum Knopf meiner Hose und zu dem Reißverschluß, und als hätte sie das alles in irgendwelchen Kursen gelernt, befreite sie den Gefangenen im wahrsten Sinne des Wortes im Handumdrehen aus seinem Kerker. Das hätte mir schon gereicht, ich meine damit, daß der Schmerz somit schlagartig aufhörte. Dennoch bekam ich noch wie unter Trance mit, daß Al Pacino jetzt in üblen Schwierigkeiten steckte.

Odette beugte sich herunter und begann zu saugen. Ja, sie saugte, sie lutschte nicht nur oder fuhr ihren Mund einfach substanzlos vor und zurück. Dabei half sie mit der Hand nach, aber so, daß das Saugen und das feste Reiben sich einer zauberhaften Choreographie unterordneten, eine eigenständige Kunstdisziplin wurden.

Als ich an diesem Tag sechs Uhr morgens aufgewacht war, hätte ich mir durchaus vorstellen können, daß während ich schlief, der Dritte Weltkrieg ausgebrochen wäre, weil zu jener Zeit die Furcht davor zumindest medial extrem verbreitet war. Daß ich allerdings in den folgenden Stunden am lebendigen Leibe ins Paradies kommen würde, wirklich nicht.

Gleichzeitig mit Al Pacino, der in der Schlußszene sich diese Monsterknarre mit den fetten Explosionsgeschossen schnappt und mit dem Ausruf »Auf euch wartet meine kleine Freundin!« seine Bürotür und dahinter zig Bösewichter in ihre Atome sprengt, so schoß auch ich in einer Mega-Explosion in Odettes Mund hinein.

Sie schluckte es bis zum letzten Tropfen herunter.

Odette hatte mir nie erzählt, woher sie kam, ob ihre Eltern noch lebten oder nicht und wer sie waren. Sie war 22 Jahre alt und wohnte zur Miete außerhalb der Stadt bei einer alten Frau im Gartenhäuschen, das man allerdings zu einer richtigen Ein-Zimmer-Wohnung mit Toilette und Dusche hergerichtet hatte. Die knapp 25 Quadratmeter waren das Heimeligste, was mir bis jetzt untergekommen war. Überall hingen diese asiatischen Papierlaternen. Das Bett bestand aus einer am Boden ausgelegten großen Matratze, die sie liebevoll mit Patchwork-Überzügen selber geschneidert hatte. Auch sonst hatte sie ziemliches handwerkliches Geschick vorzuweisen. Der Eßtisch, die Kommoden usw. hatte sie eigenhändig aus Apfelsinenkisten und alten Brettern gezimmert und bunt bemalt. Überall standen Kerzen verteilt.

Die Frau hatte mich angefixt, mich innerhalb kurzer Zeit süchtig nach ihr gemacht, ich war ihr verfallen.

Ich lernte in diesem Knusperhäuschen ihren Körper kennen. Wie erwartet bestand er nicht aus menschlichem Material. Es bestand aus, ich weiß nicht, jedenfalls aus etwas Überirdischem. Zart, so überaus zart war ihre Haut, geradeso, als würde sie unter meinen Fingern zu schmelzen beginnen, wenn ich sie streichelte. Ihre eher klein geratenen Brüste verhielten sich wie diese Unterwasserwesen, die ihre eigene Art von Intelligenz besitzen und ihre Struktur und Festigkeit verändern, wenn man sie berührt; so wurden auch ihre beiden Schätze in Sekundenschnelle hart. Und ihr Füllhorn des Trostes besaß die neckische Eigenschaft, daß seine etwas abstehenden Lippen bei der Reibung mit meinem Stab rein- und rausglitten als applaudierten sie zu unserem Akt.

Drei Tage hintereinander verbrachten wir die Zeit ausschließlich mit dem eben genannten Zeitvertreib. Rund um die Uhr! Ich mochte es, dabei ihr Gesicht zu betrachten, ihre geschwungenen, wie mit einem perfekten Pinselstrich gezogenen dunkelbraunen Augenbrauen, die blauen Glasmurmelaugen und wie sie sie auf dem Höhepunkt schier schmerzhaft zusammenkniff, wie die Iris sich vergrößerte, ja, wie sie dabei die Intensität des Farbtons wechselten, ihre wulstigen Lippen und wie sie sich stets in die Unterlippe biß, wenn es ihr kam.

Ach so, Studenten waren wir nur noch im Nebenberuf. Eigentlich nicht einmal das.

»Sind wir jetzt ein Paar, bist du jetzt meine Freundin, Odette?« fragte ich sie, während wir zwischendurch Büchsenfleisch mit Graubrot aßen und billiges Bier tranken. Wir waren dabei wie immer nackt. Im Radio lief Sunshine Reggae von Laid Back.

»Ich weiß nicht”, sagte sie mit einem listigen Lächeln. »Dazu muß man doch treu sein, nicht?«

»Aber ich bin dir treu, Odette, ich werde dir immer treu sein.«

»Aber was ist, wenn ich mal krank sein würde, wirklich ganz schlimm krank.«

»Du wirst – wir werden nicht krank, Odette, wir sind jung. Wir werden auch nie sterben. Solltest du aber trotzdem krank werden, so werde ich mein Germanistikstudium aufgeben und Medizin studieren, um dich zu heilen. Und ich werde dich heilen!«

»Und was ist, wenn du irgendwann die Lust an mir verlierst, weil ich dir langweilig geworden bin oder weil du dich in mir getäuscht hast?«

»Das ist ausgeschlossen. Wenn ich die Lust an dir verlieren würde, dann wäre das mein Ende. Dann würde ich ja die Lust an der Lust verlieren, Dummerchen. Ich muß dich also aus ganz egoistischen Gründen immer weiterlieben. Mir bleibt nichts anderes übrig.«

»Das heißt, du würdest mich immer akzeptieren so wie ich bin? Du würdest mich nie verlassen, auch wenn du irgendwann rauskriegen würdest, daß ich nicht kochen kann oder daß ich Michael Jackson nicht mag oder was anderes?«

»Niemals würde ich das tun, Odette. Kochen wird sowieso überbewertet. Wir werden uns künftig nur noch von Tiefkühl-Pizza ernähren. Und was Michael Jackson betrifft, nun ja, das wird ihn sicher sehr schmerzen, aber man kann nicht alles haben.«

»Gut, dann will ich dein Mädchen sein für immer. Du musst aber schwören.«

»Worauf?«

»Egal. Schwöre!«

»Ich schwöre auf dich, Odette! Tausend Schwüre schwöre ich!«

Danach leckte ich sie ausgiebig.

Irgendwann fiel mir ein, daß ich doch kein Nebenberufsstudent war, sondern ein richtiger. Es schadete wohl nicht, wenn ich mal in der Uni wieder vorbeischaute und eine Vorlesung besuchte, zumal ich ja bis jetzt keine Vorlesung besucht hatte. Odette hatte keine Lust, mitzukommen, weil sie sich von unserem Marathon erschöpft fühlte.

Als ich in der Uni angelangt war, fand ich einen leeren Hörsaal vor. Aus irgendeinem Grund war die Vorlesung abgesagt und auf die nächste Woche verschoben worden. Vielleicht wollte es eine höhere Macht, daß ich niemals im Leben eine Vorlesung besuchte.

Ich schlenderte in die Stadt und hockte mich wieder an den Tisch am Café vor dem großen Platz. Ja, an diesem Platz hat alles angefangen, dachte ich episch, und es kam mir tatsächlich so vor, als sei die Sache schon Jahre her und Odette und ich wären inzwischen verheiratet und würden unsere vielen Kinder aufziehen. Während ich meinen Kaffee trank, überlegte ich, ob ich gleich meine Bude aufsuchen und nach der Post schauen sollte. Aber wer würde mir schon Briefe schicken?

Zugleich war es traurig anzusehen, daß all diese vorbeischlendernden Leute auf dem Platz nicht vom berstenden Glück beseelt waren, das mir zuteil geworden war. Sie gingen ihren stumpfsinnigen Jobs nach, wandelten vor Langeweile oder Blödheit wie Untote von Geschäft zu Geschäft oder ließen sich sonstwie treiben. So wie sie war ich auch einmal, sagte ich mir teils aus ehrlichem Mitgefühl, teils aus Arroganz. Auch ich hatte noch vor ein paar Tagen nicht gewußt, daß eine bestimmte Konstellation im Leben, ja, warum nicht eine astrologische, einen schlagartig in eine Dimension zu versetzen vermochte, in das Land des Lächelns, wo rund um die Uhr sich alles in Wohlgefallen auflöst, wo man nonstop platzen könnte vor Glück. Verdammt, ich liebte Odette so sehr, ich wollte nie mehr ohne sie sein.

Deshalb trank ich meinen Kaffee schnell aus, schnappte mir die nächste Straßenbahn und fuhr wieder zu ihr zurück. Die letzten ein oder zwei Kilometer mußte ich zu Fuß gehen, weil es in den Außenbezirken der Stadt schnell ländlich wurde und dort keine Bahn und kein Bus mehr hinfuhren. Der Himmel färbte sich als Vorbereitung auf den Abend ganz langsam golden und rotblau und ganz in der Ferne tauchte eine dunkle Wolkenfront auf. Vielleicht würde es ja heute Abend nach Wochen wieder regnen. Und vielleicht würden Odette und ich dann aus unserem Knusperhäuschen hinauslaufen und auf der Wiese einen Regentanz aufführen, während die Regentropfenkaskade auf unsere nackten Leiber prasselte.

Schließlich streifte ich das Haus der alten Dame und gelangte über den Kiesweg zum Gartenhäuschen. Noch bevor ich die Tür erreichte, fiel mein Blick durch das daneben angebrachte, etwas niedrig gelegene Fenster.

Was ich dort im Innern der Laube sah, war derart absurd, daß mein Verstand mehrere Phasen der Irrationalität absolvierte, bis ich das Gesehene tatsächlich in seiner ganzen Tragweite kapierte. Zunächst glaubte ich, ich sei aus irgendeinem Grund, vielleicht wegen der körperlichen Überlastung der letzten Tage einfach verrückt geworden und erblicke etwas, das gar nicht vorhanden ist. Dann glaubte ich an einen Scherz, ein Scherz ohne Pointe und ohne Sinn und Verstand zwar, aber ein Scherz. Schließlich, das alles flog mir im Bruchteil einer Sekunde durch den Kopf, ich sei Zeuge eines Verbrechens.

Odette hatte auf der Matratze die Hundestellung eingenommen, und der Schwarze von der Elfenbeinküste fickte sie kniend sehr hart von hinten. Sein pechschwarzer, allein von Muskeln modelliert worden zu sein scheinender Körper war naßgeschwitzt, so daß er wie ein düsterer Edelstein funkelte und glänzte. Bei jedem seiner wuchtigen Stöße bebte Odette wie unter Stromschlägen.

Der marokkanische Ingenieur in entgegengesetzter Position hatte sich ebenfalls niedergekniet und ihr sein Ding so tief in den Rachen gesteckt, daß es darin fast verschwand. Auch er war splitternackt. Und auch er war naßgeschwitzt, so daß er eine bronzefarbene Variante seines schwarzen Gegenübers darstellte, und auch er stieß wie ein menschlicher Kolben mit voller Wucht.

Odette erblickte mich am Fenster, doch keine Überraschung tat sich in ihrem Gesicht auf, nichts änderte sich an ihrer lustverzerrten Mimik, und ein Nichts wurde auch augenblicklich die ganze Welt für mich. Sie, die sich wieder ihre weißen Abendhandschuhe übergestreift hatte und sonst nichts, lächelte mich nur traurig an.

Ende Teil I, Teil II erscheint am Sonntag

Copyright © 2021 by Akif Pirinçci, Bonn
Foto: Yael Shelbia

Akifs wichtigste Bücher

Umvolkung – Wie die Deutschen still und leise ausgetauscht werden

Deutschland von Sinnen – der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer

Akif auf Achse – „Das Schlachten hat begonnen“ und andere Texte

Die große Verschwulung – Wenn aus Männer Frauen werden und aus Frauen Männer

Der Übergang – Bericht aus einem verlorenem Land

Attacke auf den Mainstream – Akif Pirinçcis „Deutschland von Sinnen“ und die Medien

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