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Zuwachs im Keulen-Repertoire: „Masken-Verweigerer“, „Corona-Leugner“ oder „Covidioten“. Das sind die Kampfvokabeln der Stunde, um Kritik an den Corona-Maßnahmen der Regierung als bloße Spinnerei abzutun. Schon die betagteren „Klassiker“ wie „Nazi“ und „Verschwörungstheoretiker“ zählten zum Grundbesteck all jener, die mangels Argumenten auf pauschale Diffamierungen zurückgreifen müssen. Ziel: Bestimmte Themenfelder von vornherein als „No-go-Areas“ zu markieren. Wer regelmäßig soziale Medien nutzt, weiß um den inflationären Gebrauch dieser Begriffe.

Derlei intellektuelle Bankrotterklärungen könnte der Vernunftbegabte schlicht mit einem müden Schulterzucken quittieren. Insbesondere im Kontext der sogenannten Coronakrise beschränken sich Verbalinjurien und Denunziantentum aber nicht mehr nur auf den virtuellen Raum, sondern werden zunehmend im Alltag erfahrbar: So ziehen Bürger, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen, häufig den Unmut ihrer Mitmenschen auf sich und werden an der aktiven gesellschaftlichen Teilhabe gehindert.

Doppeldenk: Maske nutzlos – deshalb ein „großer Erfolg“

Aufmerksame Medienkonsumenten erinnern sich: Mit der Maske „hält man das [Virus] nicht auf“ [1]. Dies war noch Ende Januar das unmissverständliche Fazit des Virologen Christian Drosten. Im Juni sprach er hingegen davon, dass die Maskenpflicht ein „großer Erfolg“ sei und die Bevölkerung auch in Zukunft daran festhalten solle. [2] Der Wunsch des fürsorglichen Pater Covidicus, der nun mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wird, scheint weiten Teilen Deutschlands Befehl. Hingegen berichtete jüngst „Der Tagesspiegel“ von einer US-Studie, nach welcher Viren die Stoffbarriere einer Maske „durch das Gewebe passieren“ und Maskenträger sich und andere also sehr wohl anstecken könnten. [3] Dies wird seitens der amerikanischen Wissenschaftler jedoch als positiv gewertet, da es zu einer Covid-19-Immunisierung führe.

Der Präventionsnutzen der Mund-Nasen-Bedeckung ist also nach wie vor fraglich. Und dennoch: Einzelne Geschäfte, darunter die Häuser des Einrichtungskonzerns „IKEA“, verweigern den Zutritt, wenn keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen wird — selbst dann, wenn ein ärztliches Attest vorgezeigt wird. [4]

Attestpflicht: Misstrauen gegen die Bürger?

Tatsächlich verlangte die Corona-Schutzverordnung für NRW bis vor kurzem überhaupt nicht, dass die medizinischen Gründe durch ein Attest dargelegt werden müssen. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte auf einer Pressekonferenz im April 2020 erklärt: Der Nachweis, keine Maske tragen zu können, müsse „nicht unbedingt ein ärztliches Attest“ sein, sondern „schlicht und ergreifend die Tatsache, dass man in dieser [krankheitsbedingten] Situation ist“ [5]. Soll heißen: Eine mündliche Zusicherung der Betroffenen reichte aus. Anscheinend aber traut der Leviathan dem Volk, diesem großen Lümmel, nicht so ganz über den Weg. Aus der aktuellen NRW-Schutzverordnung (Stand 16.09.2020) geht nun nämlich hervor: „[D]ie medizinischen Gründe sind ab dem 23. September 2020 durch ein ärztliches Zeugnis nachzuweisen, welches auf Verlangen vorzulegen ist.“ [6]

Hingegen wurden jedoch selbst Fälle von Arztpraxen publik, die Patienten ohne Maske nicht behandelten — trotz Attest. So berichtete „stern“ online über eine Patientin in Bayern, die bereits vorm Orthopädie-Besuch telefonisch mitgeteilt hätte, dass sie aus gesundheitlichen Gründen von der Maskenpflicht befreit sei und dies auch mit einem Attest belegen könnte.

„Vor Ort hieß es dann, sie hätten sich nochmal beraten und ich darf die Praxis ohne Maske nicht betreten. Ich habe also keine Behandlung bekommen“.

Als die Frau anschließend eine negative Google-Bewertung für die Praxis abgab, nannte der Arzt sie eine „Corona-Leugnerin“. Dies war dem „stern“ offenbar Grund genug, ihn in der Überschrift als (nein, nicht infantil oder einfallslos, sondern) „schlagfertig“ zu bezeichnen. [7]

Überdies verweigern auch einzelne Alters- und Pflegeheime Besuchern ohne Maske den Zutritt und somit den persönlichen Kontakt zu ihren Angehörigen. Als Begründung wird teils auf gefälschte Atteste verwiesen. Selbst wenn der Zutritt zu Geschäften gewährt wird, ist es keine Seltenheit, dass Menschen ohne Maske sich Beschimpfungen anderer Kunden anhören müssen.

Tatsächlich sehen alle Bundesländer in ihren Corona-Verordnungen die Maskenpflicht-Befreiung aus medizinischen oder anderen zwingenden Gründen ausdrücklich vor.

„Das scheint jedoch weder in der Bevölkerung, noch in Geschäften und Praxen, bei Arbeitgebern und Mitarbeitern ausreichend bekannt zu sein“ [8], konstatiert eine Mitarbeiterin vom Antidiskriminierungsbüro Mannheim. Wird Betroffenen trotz Bescheinigung der Zutritt verwehrt, handele es sich um eine „mittelbare Diskriminierung“ nach dem seit 2006 geltenden Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Zudem sei es laut der Beratungsstelle „adis e. V.“ „[i]n keinem Fall“ zu dulden, dass Ärzte auf Attesten, die vorgezeigt werden müssen, den Befreiungsgrund, also die Diagnose angeben [9].

Leitmedien: „Antisoziale“ und „Oma-Mörder“

Zumindest vereinzelt ertönen inzwischen zwar kritischere Stimmen im Covid-Einheits-Chor. So kritisierte etwa Risikoforscher Gerd Gigerenzer im „WELT“-Interview den Fokus auf Neuinfektionen hierzulande [10], attestierte den Deutschen ein fehlendes Verständnis für Statistik und warnte:

„Von Furcht getriebene Menschen bringen sich in Gefahr“

Insgesamt aber zeigt sich die linksliberal (selbst)verortete Presse nimmermüde, Lockdown-Skeptikern und Bargesichtigen den bewährten Dreiklang aus Pathologisierung, Kriminalisierung und emotionaler Erpressung entgegenzuschmettern. „Der Tagesspiegel“ sei hier pars pro toto für den überbordenden Tugendeifer genannt. Im Juni titelte er: „Rücksichtslos in der Bahn: Maskenverweigerer, ich verachte euch zutiefst“ [11]. In dem Beitrag porträtiert der selbsternannte Corona-Cop Sebastian Leber Personen, die in Bussen und Bahnen keine Maske tragen, als „Antisoziale“, als Mörder, die aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit Omas „auf dem Gewissen“ [sic!] hätten.

Dass das Nichttragen der Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln tatsächlich auch medizinisch indiziert sein kann – das scheint er gänzlich auszublenden. Und das, obschon er sogar anführt, manche Fahrgäste würden beklagen, sie kriegten „keine Luft darunter“.

Als im August 2020 in NRW das 150-Euro-Bußgeld für Missachtung der Maskenpflicht im ÖPNV eingeführt wurde, schickte das Bahnpersonal in mehreren Städten gezielt Suchtrupps durch die Züge. Derweil die Mainstreammedien die Aktion mit Überschriften wie „Großer Schlag gegen Masken-Verweigerer“ begleiteten. [12] Wann der Staat indes den „großen Schlag“ gegen Clan-Kriminalität, sexuelle Gewalt oder die zuletzt in Stuttgart aufblühende „Party- und Eventszene“ führt, wird vorerst sein Geheimnis bleiben.
Eines gewissen Stolzes nicht unverdächtig präsentierte der WDR Köln noch am Tag der Suchaktion eine Facebook-Grafik [13], die zeigte, wie viel die Bußgelder in die Kassen gespült hatten.

Mit ihrem autoritären Habitus befeuern etablierte Medien wie Politiker die Polarisierung der Gesellschaft und leisten der Denunziationslust Vorschub. Wobei sie letzteres natürlich als Art humanitäres Verantwortungsbewusstsein verstanden haben wollen:

„Ist Ansprechen [wegen fehlender Maske] nicht aufdringlich? Übergriffig? Denunziatorisch? Ich denke, es ist in diesem Fall Zivilcourage“,

so eine den Mindest-„Tagesspiegel“ an Haltung vorbildlich überschreitende Berliner Zeitung.

Schräger als Fiktion

Nahezu kafkaeske Qualitäten besitzt ferner der Fall des Herrn F. Seine Zuschrift erreichte mich im Landtag NRW und soll auszugsweise wiedergegeben werden:

Aufgrund gewisser Beschwerden erhielt F. vom Arzt ein Attest, das ihn von der Maskenpflicht befreien sollte. Dass er dafür in öffentlichen Verkehrsmitteln und diversen Geschäften in den Genuss jener solidarisch-humanitär verbrämten Blockwart-Mentalität kam, die in Deutschland aktuell eine Renaissance erfährt – geschenkt. Absurder indessen, welchen Schikanen er sich in seiner Arbeitsstätte ausgesetzt sah:

„Mein Attest wurde nicht gelten gelassen, ich müsse mich deswegen bei der Betriebsärztin vorstellen, und bis zum Termin solle ich auf eigene Kosten zu Hause bleiben […]“

Als F. bei der Betriebsärztin vorstellig wurde, erschien er ohne Maske. Selbstverständlich, sollte man meinen – er ist schließlich von der Maskenpflicht befreit.

„Die Sprechstundenhilfe fragte mich, wo meine Maske wäre, woraufhin ich erwiderte, dass ich keine hätte wegen meines Attests; was sie akzeptierte und mich im offenen Wartebereich verweilen ließ. Als dann die BÄ kam und mich erblickte, riss sie die Augen weit auf und fauchte mich an: “Wo ist Ihre Maske?!”, was ich abermals mit einem Attest erwiderte.“

Von der linientreuen „Jane Spahn“ wurde der verdutzte F. vor die Wahl gestellt: Entweder eine Maske aufziehen oder die Praxis sofort verlassen.

Tja, schöne neue Welt. Da soll ein Bürger – per Anordnung des Vorgesetzten – zum Arzt, eben WEIL er ausweislich keine Maske tragen kann, und dieser fragt, wo denn die MASKE wäre. Vermutlich hätte dieser besonders „haltungsstarke“ Weißkittel auch von einem Blinden gefordert, er möge gefälligst Kontaktlinsen einsetzen oder ihm die Farbnuancen eines Pollock-Gemäldes beschreiben, sonst flöge er raus. Mark Twain hatte einst behauptet, es sei kein Wunder, dass das Leben merkwürdiger sei als fiktionale Werke – letztere wären schließlich darauf ausgelegt, Sinn zu ergeben.

Diskriminiert oder gedemütigt? Schreiben Sie mir!

Falls Sie beim Nichttragen der Maske im Alltag diskriminierende oder anderweitig negative Erfahrungen gemacht haben, kann ich diese Fälle als Abgeordneter des Landtags NRW in meine parlamentarischen Initiativen einfließen lassen. Gerne können Sie mir berichten:

• Kam es bei Nichttragen der Maske zu Beschimpfungen, Handgreiflichkeiten? (Falls ja: Wo?)

• Wurde Ihnen der Zutritt zu Arztpraxen, Apotheken, Geschäften, Supermärkten oder Restaurants verwehrt? (Wie begründete man Ihnen das Zutrittsverbot?)

• Wurde Ihnen der Zutritt trotz Vorzeigen eines Attests verweigert?

• Aus welchen medizinischen oder sonstigen Gründen tragen Sie keine Maske? (Angabe optional)

Mein Ziel ist es, im Parlament und bei der NRW-Landesregierung ein stärkeres Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. Ihre Angaben werden streng vertraulich behandelt.

Vielen Dank!

Schöne Grüße
Frank Neppe (MdL)

Email: [email protected]

Quellen: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13]

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6 Kommentare

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  • In Belgien wurde die Maskenpflicht gerade angeschafft. Die deutschen Medien kochen vor Wut; denn natürlich wird jetzt jeder sehen, daß Masken überflüssig sind.

  • Komisch, damals war der Judenstern eine Ausgrenzung und Verfolgung von den betroffenen Menschen, und heutzutage ist derSabberlappen ein Privileg der verblödeten Leidmedien-Bescheidwisser und ohne Sabberlappen ist man ein verfolgter Leugner und Lügner.
    Die Hexenjagd ist eröffnet, die Wahrheit und Einsicht wird bekämpft und die Lüge wird verteidigt !

  • Gestern: Am Geldautomaten. Alleine in einem Vorraum der Bank. Ohne Maske wie auch vorher, laut der Web-Seite meines Bundeslandes darf in Banken und an Geldautomaten keine Maske getragen werden wegen Vermummung/Überfall. Bankblockwartin kommt extra in den ansonsten leeren Raum, um mich auf die Maskenpflicht aufmerksam zu machen. Ich kläre sie über die Rechtslage auf. Sie bestreitet diese, weiß aber offensichtlich nicht Bescheid. Nachschaeune muss/möchte sie nicht. Bin ja nur ein Kunde. Ansonsten aber gelte das Hausrecht, erklärt sie mir weiter. Gut. Daheim kurz recherchiert. Weder Polizei, Internet noch ein befreundeter Anwalt können klar sagen, toppt in dem Fall das Hausrecht die Verordnungen des Landes oder nicht? Immerhin Polizei: “Ein Bußgeld wäre nicht erhoben worden. Hausrecht? Nun eine Discothekeninhaber kann an der Türe auch Betrunken abweisen.” Ich: Ja aber niemand wegen der Hautfarbe weil da Antidiskriminierung sticht. Und ich war ja nicht betrunken sondern wurde ja wegen Einhaltung der Gesetze der Bank verwiesen also diskriminiert.” Polizei: “Kann ich nicht beantworten. Bin kein Anwalt.” Muss wohl nach Karlsruhe, um das zu klären. 😉 Läuft super.

    • Nachtrag: Hausrecht kann dennoch Landesrecht toppen, so leicht unsicher die Polizei. Meine Frage an die Polizei: “Wenn das so ist, dann kann man ja auch per Hausrecht auf die staatlich angeordneten “Maßnahmen” verzichten und etwa im Supermarkt per Hausrecht auf das Tragen von Masken verzichten?” “Auf KEINEN Fall.” “Also kann man zwar über das Landesrecht hinwegsetzen und staatliche Maßnahmen verschärfen aber nicht abmildern?” “Ich bin kein Anwalt, aber die Maßnahmen aussetzen, geht auf keinen Fall.”

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