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Well, I woke up Sunday morning
With no way to hold my head that didn’t hurt
And the beer I had for breakfast wasn’t bad
So I had one more for dessert

Kris Kristofferson – Sunday Mornin’ Comin’ Down

Als ich in Kreuzberg lebte, sah ich Birol Ünel manchmal vor einem Glas Bier sitzen. Das ist in der Oranienstraße nichts Ungewöhnliches, bei Birol wars die Uhrzeit, die meine Beobachtung erwähnenswert werden lässt: Irgendwann am Vormittag. Es saß da stets allein und all die Traurigkeit dieser Welt schien ihm ins Gesicht gemeißelt.

Einmal nickte ich ihm zu, er nickte zurück, so wie es prominente Menschen immer tun, weil sie längst nicht mehr wissen, wem sie bereits einmal begegnet sind. Vielleicht hätte ihn ansprechen, ihm sagen sollen, wie grandios ich ihn in „Soul Kitchen“ fand. Vielleicht aber auch nicht. Es hätte ja nichts geändert.

Der deutsche Film, auch so ein Trauerspiel unserer Zeit. Im Grunde bereits seit 90 Jahren. Als Fritz Lang („M – Eine Stadt sucht einen Mörder“) das Land verließ, war der deutsche Film am Ende. Für mich zumindest, da ich mit den sogenannten Autorenfilmern der siebziger Jahre nichts anfangen konnte. Beinahe die einzigen deutschen Filme, die ich gern sehe, hat ein Türke mit deutschem Pass gedreht – Fatih Akin (47). Er erzählt kleine schmutzige Geschichten aus dem wahren Leben. In Akins Filmen wirken und sprechen die Darsteller wie echte Menschen, nicht wie Schauspieler. Das unterscheidet sie so wohltuend von dem ideologisch vergifteten und dem ach so politisch korrekten Massenmüll, den die deutsche Filmbranche seit etwa zwei Jahrzehnten auskotzt.

Akins Meisterwerk „Soul Kitchen“ (siehe Video oben) haute mich um, Ende der Nullerjahre. Ich sah es in einem Kino in Treptow, mit Carina, einem Mädchen von früher, mit dem ich damals schon nicht mehr zusammen war und ich wusste gar nicht, in welche der drei Mädels, die tragende Rollen hatten, ich mich zuerst verlieben sollte. Mittendrin: Birol Ünel, der alle an die Wand spielte.

In einer gerechten Welt wäre Birol spätestens nach „Gegen die Wand“ ein Superstar geworden. Doch irgendwie bog er nach „Soul Kitchen“ falsch ab. Sein Regisseur war fortan nur noch der Alkohol. Die Male, die ich ihn sah, ging es ihm noch verhältnismäßig gut. Kurze Zeit später war er obdachlos und lag in Kreuzberg buchstäblich auf der Straße.
Laut der Massenmedien soll er in den letzten Jahren die Kurve bekommen haben. Er hatte wieder eine Wohnung und sogar trocken soll er gewesen sein. Keine Ahnung, ob das stimmt. Spielt ja auch keine Rolle mehr.

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10 Kommentare

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  • Fatih Akin: Regie bei “Der Goldene Handschuh” Es geht um den Serienmörder Fritz Honka. Schlimmer, abartiger und verächtlicher kann man Deutsche nicht mehr darstellen in einem Film. So stelle ich mir den Deutschen vor, der keine Daseinsberechtigung mehr zu haben scheint. Versoffen, verhurt, verblödet, mörderisch. Mehr Hass gegen Deutsche kann man nicht in Bilder fassen.

    • Er ist eben ein BRDler, der sich für einen Deutschen hält. Oder auch schon für einen ‘Deutschtürken’. Kollektiver Identitätsverlust halt … und die – vermutlich finalen – Folgen… 😥

  • Fritz Lang ist völlig überbewertet. Es gab genug Deutsche Genie Regisseure, z.B. nur mal einer davon: Wolfgang Staudte
    ( ein Tarrantino Vorbild – während dieser auch nur Schrott ist).

    Rolands Klicks “Supermarkt ” und
    “Deadlock” aus den 70ern sind auch Meilensteine.

  • Er war einer unserer besten Schauspieler

    Ich möchte hier nur unmißverständlich zu Protokoll geben, daß ich NICHT zu diesem uns gehöre. Habe ich NIE … tue ich NICHT … werde ich NIE!!!

    • Ja, aber leider kein deutscher Film, da dafür viel zu wenig ‘Migranten’ unter den Schauspielern. Wenn ich mich recht erinnere … äh … eigentlich … ähm … gar keine!?

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