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Es gibt Berufe, in denen es keine große Sache ist schwul zu sein. Friseur zum Beispiel, oder Tänzer. Wer sein Geld allerdings mit Fußballspielen verdient, steht vor einem großen Problem. Fußball gilt nun mal immer noch als ein Sport für richtige Männer. Nun könnte man sagen, ein Spieler, der es in die Bundesliga geschafft hat, dafür all die Strapazen und Entbehrungen auf sich nahm, hat bereits bewiesen ein richtiger Mann zu sein. Wir müssten es sogar sagen, doch sind wir schon so weit? Man weiß es nicht.
Was den Schritt des Mannes, der am 16. Oktober 2019 twitterte „Ich bin ein schwuler Spieler der 2. Bundesliga. Ich möchte mich bald outen, um das Versteckspiel zu beenden. Ich teste hier, ob ich den Druck aushalten kann“, umso mutiger erscheinen lässt.

Das Versteckspiel der schwulen Prominenten treibt seltsame Blüten.

Es gibt einige schwule Spieler in der 1.- und 2. Bundesliga. Das ist ein offenes Geheimnis. Viele Sportjournalisten wissen, wer genau, viele Männer aus der schwulen Gemeinschaft ebenso. Die Medien dürfen niemanden gegen seinen Willen outen. Schwulsein ist Privatsache. Es sei denn, sie steht in Verbindung mit einer Anzeige. Wie vor ein paar Jahren, als eine transsexuelle Dirne Stefan Effenberg anzeigte. (Was natürlich nicht bedeutet, dass Effenberg schwul ist.)
Das Versteckspiel der schwulen Prominenten, es müssen nicht zwingend Spitzensportler sein, auch Schauspieler und Musiker outen sich oft nicht, treibt seltsame Blüten. So gibt es zum Beispiel Agenturen, die Alibi-Freundinnen vermieten.

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Im Fußball ist die Angst vor den Reaktionen der Fans groß

„Werden sie mich auspfeifen? Als schwule Sau beschimpfen? Und was ist mit meinen Mannschaftskameraden? Werden sie noch mit mir Duschen wollen?“ Das sind so Fragen, die sich schwule Spieler stellen. Diese Fragen wird sich auch der Mann stellen, der sich bald outen will. Niemals zuvor in der Geschichte der Fußballbundesliga hat sich ein aktiver Spieler zu seiner Männerliebe bekannt. Thomas Hitzlsperger (Foto oben), der frühere Nationalspieler, outete sich erst nach seiner Karriere.
Hier nun die Tweets des Anonymus in chronologischer Reihenfolge:

Ich bin ein schwuler Spieler der 2. Bundesliga. Ich möchte mich bald outen, um das Versteckspiel zu beenden. Ich teste hier, ob ich den Druck aushalten kann …
Ask me anything!

OK ich wollte heute Morgen nur kurz diesen Kanal checken. Muss mich erstmal sammeln – das gerät ja jetzt schon fast außer Kontrolle.
Jetzt muss ich mich erst mal auf das Training konzentrieren. Heute Abend mehr.

Hallo, vielen Dank für euren tollen Support! Sehr überrascht hat mich, dass es so viele positive Stimmen gab! Ich bin aber trotzdem SEHR aufgeregt, denn wenn ich mich jetzt oute, bin ich mir nicht sicher, ob meine Freunde, Familie und Teamkollegen zu mir halten 🙁 .

Auch über den Anschlussvertrag mache ich mir Sorgen. Ganz abgesehen von Sorgen über Drohungen :(. Warum ich das hier trotzdem mache? Es geht darum die berechtigte Neugier zu stillen, denn es wurde zu lange zu diesem eigentlich ganz normalen Thema geschwiegen!

So wird sich (hoffentlich) das mediale Interesse in langer Sicht verringern und ich kann mich an die Situation gewöhnen. Wenn ich mich dann oute, wird es eine Kamera am Spielfeldrand geben. Dann werde ich sagen, dass ich schwul bin, dass ich alle Fragen hier schon beantwortet habe und jetzt gerne weiter trainieren würde. Alles Weitere könnte dann mein Sprecher beantworten. Das war‘s! Und vielleicht werden ja jetzt noch mehr schwule Spieler anfangen zu twittern :).

Ich danke euch allen für euren Support! Werde mich jetzt auf das EIGENTLICHE Spiel konzentrieren, nach dem WE mehr!

Der erste aktive Fußballspieler, der sich in seiner aktiven Zeit zu seiner Homosexualität bekannte, hieß Justin Fashanu. 1990 In England. Acht Jahre später erhängte er sich.

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14 Kommentare

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  • Die sexuelle Orientierung hat keinen zu interessieren, sie ist im Beruf einfach irrelevant. Wer den Menschen hinter dem Spieler erkennt und schätzt, weiß um seine Vorlieben und wird diese akzeptieren. Sich öffentlich und zudem medial begleitet zu outen, hat was von profitorientiertes Handeln an sich, dem man aus PR-Gründen wohl auch nicht widerstehen kann. Wer aber glaubt dass medial begleitete Outing sei ein Garant für öffentliche Akzeptanz, der irrt gewaltig. Es wird immer den Gegensatz von Anlehnung und Akzeptanz innerhalb einer Gesellschaft geben, weil jeder Mensch anders denkt, fühlt und handelt.

    • Wo ist denn hier „homosexuelle Propaganda“? Ist einer schwul, dann ist er es eben. Das macht ihn weder besser noch schlechter. Er ist, was er ist – Punkt. Will er es öffentlich machen – wegen mir. Aber ich renne ja auch nicht durch die Gegend und brülle jeden an: „Ich bin ein Hetero! – Habt mich lieb!“ Mich nerven die Homo-Umzüge (CSD), aber da laufen wohl eh nur die Blöden mit. Mir persönlich ist die sexuelle Ausrichtung eines Menschen scheißegal. Es geht mich schlicht nichts an.
      Das „Outen“ ist – meiner Meinung nach – nur ein Ruf nach öffentlicher Anerkennung, wenn man einen Karriereknick hat. Wenn mein Bäcker, Fleischer oder Gemüsehändler ein Problem hat, dann bekommt er auch keine öffentliche Aufmerksamkeit, wenn er sagt: „Leute, ich bin schwul!“ – Man kauft das Brot, weil es gut gebacken ist! Man kauft die Wurst, weil sie schmeckt! Man kauft das Gemüse, weil es gut und frisch ist! – Wer fragt übrigens, ob sein Tisch oder Schrank von einem schwulen Schreiner gebastelt wurde? – Keiner!

  • Jeder hat ein Recht auf seine eigene Art glücklich zu werden, meine Person hat auch Menschen kennengelernt auf die man sich verlassen konnte zu 100 Prozent.

  • Sexuelle Orientierung ist ja wohl Privatsache.

    Warum man anderen darüber Auskunft geben soll, weiß ich nicht.

    Homosexualität ist in Deutschland nicht verboten (noch nicht!).

    Er hätte ja ganz einfach auf irgendeiner Veranstaltung mit seinem Freund auftauchen können. Dann hätte es etwas Gerede gegeben und dann wäre es gut.

    Keine Ahnung, warum man darüber Erklärungen abgeben muss?

    • „Keine Ahnung, warum man darüber Erklärungen abgeben muss?“ – Eben! – Vielleicht nur deshalb, weil man auf sich aufmerksam machen will? – Weil man den Ball nicht mehr so richtig trifft? – Meine Ansicht: Himmel, Arsch und Wolkenbruch! – Geht auf das Grüne und schießt das Runde in das Eckige! Dafür wird Eintritt bezahlt!

  • Der Artikel verwirrt mich.
    Ich dachte, als weißer Mann müsste man schwul sein, weil’s Vergewaltigung wäre, eine Frau anzusprechen und sie höflich zu fragen, ob sie unter Umständen bereit wäre, mit einem zu kopulieren – na ja, zumindest doch wohl sexistisch!

    Doch im Ernst: Warum muss man seine sexuelle Prägung oder Vorlieben erklären? Meine weiß ja auch (fast) niemand, und sie geht auch niemanden etwas an.

  • Ob ein Fußballspieler schwul ist, das interessiert mich nicht die Bohne. Tja, wenner schwul is, dann issers eben. – Na und?
    Ich bin ein Anhänger von Dynamo Dresden. Wegen mir könnten die alle schwul sein (eher unwahrscheinlich) – Hauptsache sie siegen! – Wäre übrigens mal wieder Zeit dafür!
    Ein „normaler“ Kerl kann es durchaus ertragen, mit Schwulen zu duschen. Stört mich gar nicht! – Mein Pimmel wird trotzdem niemals in deren Gefilden wandeln, seiner nicht in meinen. Und wenn ihm gefällt, was er sieht – tja, dann isses mir auch Wurscht!
    Ich dachte eigentlich, die Angelegenheit wäre geklärt.

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