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Ich lernte den linken Jungen vor ein paar Jahren auf einer Privatparty kennen. Berlin, Schönhauser Allee. Er war wie Marilyn Manson zurechtgemacht, also ziemlich weit weg von mir. Aber wie das auf Partys ja manchmal so ist: Gerade Leute, wo du am Anfang denkst, „ah nee, der muss jetzt nicht sein“, stellen sich etwas später als die feinsten Kerle heraus. Er schreibt auch, das verband uns, und dann gab es da noch seine Freundin, die unglaublich heiß war.
Es war im Sommer 2015 und seitdem hörte ich nichts mehr von dem linken Jungen. Bis er mir heute auf Facebook schrieb …   

Der linke Junge: Hey, Mann, ich hab neulich gehört, was dir vor n paar Monaten in Berlin passiert ist (Er meint die „Antifa“-Attacke auf mich, Anmerkung Flesch).
Auch wenn ich politisch aus dem gänzlich entgegengesetzten Lager bin, Gewalt ist immer Scheiße und die letzte Antwort der Dummen.

Ich: Hey, Mann, find ich großartig, dass Du sowas sagst! 
Bist der erste Linke übrigens, der sich diesbezüglich meldet. 
Danke!

Der linke Junge: Ich hab dich nicht ohne Grund nicht gelöscht, nachdem ich gemerkt habe, was du so publizierst. Für ein breites Spektrum braucht es mehrere Facetten. Nur die eigene Meinung bestätigt zu sehen führt schnell zu so ner Aluhut-Mentalität.

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Ich: Das stimmt. Das Problem ist aber m. E., dass die Linken nicht zum Dialog bereit sind. Sie glauben, so schätze ich, sie wären moralisch überlegen, hätten es deshalb nicht nötig. 
Der eigentliche Grund ist aber, dass sie instinktiv wissen, dass sie argumentativ keine Chancen hätten. Die Zahlen, die meine Einstellung belegen, sind ja inzwischen öffentlich. Linke können da nur Luftblasen gegenhalten, sowas wie: „Wir müssen tolerant und weltoffen bleiben“ usw. 
Darauf würde ich erwidern. „Wir werden nicht toleranter und weltoffener, indem wir Millionen Moslems ins Land holen, die das Gegenteil von tolerant und weltoffen sind.“ 
Was sollen sie dann noch sagen?

Der linke Junge: Stell links nicht mit Antifa gleich. Ich bin der Meinung, Religion ist ein größeres Problem als Ethnien. Zukunft liegt nicht in antiquierten Dogmen und Fortschritt lässt sich nicht erreichen, wenn man ewig im Gestern gefangen ist.

Ich: Sehr interessantes Gespräch, werde später antworten.

Der linke Junge: Lass uns das lieber bei einem Getränk und nem Näschen vertiefen, wenn du mal wieder vor Ort bist. Ich hab mich vor einigen Tagen von meiner Freundin getrennt und bin später wahrscheinlich eher weniger zu einer gehaltvollen Konversation fähig.

Ich: OH KACKE! Die von damals? (Ich zieh übrigens nicht mehr.)

Der linke Junge: Nein, die ist long gone und war auch n ganz großer Fehler. Hatte mir letztes Jahr Bukowski-like n 16-jähriges Schwabenmädel geangelt. Den gesellschaftlichen Gegenwind kannst du dir sicher vorstellen

Ich: 16??? AAAHHH!!! Die Alte war aber optisch schon der Hammer?

Der linke Junge: An der Optik hat es auch nicht gelegen, aber mental war sie durch. So mit ausgedachtem, toten Ex und ner Fake-Drogensucht.

Ich: Oha!
Hm. Überlege gerade, was besser ist: Ne Fake-Drogensucht oder ne wahre Drogensucht.
Ich hab auch ne Trennung hinter mir, Sommer 18. leide immer noch. Wird aber langsam besser.

Der linke Junge: Die Dame, mit der du zusammen gewohnt hast?

Ich: Jo, in Berlin schon. Wir sind ja auch zusammen nach Mallorca ausgewandert. Mag aber grad nicht drüber sprechen.

Der linke Junge: Versteh ich. Da kann man reif und reflektiert sein wie man will, wenn es schmerzt, dann schmerzt es.

Ich: Isso. Hat mir aber auch gutgetan. Hab mein Leben komplett gedreht. Mit kiffen aufgehört usw. Wollte kein Hänger mehr sein. Hänger können Mädels nicht halten.

Der linke Junge: Muss mich auch etwas zusammenreißen. Hatte letztes Jahr mit ner Krebserkrankung zu kämpfen und darüber meine Wohnung verloren. Wurde letztlich zu viel, als dass es die Beziehung hätte ertragen können.

Ich: Oh, scheiße. Und bist Du schon wieder gesund?

Der linke Junge: Naja, dass linke Ei ging drauf und drei Monate Chemo. Der Verlust meiner Haare tat am meisten weh. Muss jetzt halt regelmäßig zur Nachsorge.
Sie hat Anfang des Jahres ihren Vater mit grade mal 52 Jahren verloren und die Angst, ich könnte auch drauf gehen, hat wohl an ihr genagt.

Ich: Scheiße, Mann, das tut mir leid. Aber die Haare wachsen nach, nä?

Der linke Junge: Sind sie schon wieder. Halb so wild. Dachte nur nach allem, was wir schon mitgemacht haben, bringt uns so schnell nix auseinander und hab dabei nicht bemerkt, wie unglücklich sie war.
Will dich jetzt auch nich groß zuheulen.

Ich: Machste nicht. Also gesund verlassen zu werden ist ja schon Hölle, aber auf Krebs?!
Hut ab, dass du das überstanden hast. Wie alt war sie denn am Ende?

Der linke Junge: Ist im Juli 17 geworden. Krank zu sein ist jetzt auch keine Leistung und Hodenkrebs ist selten tödlich, deshalb hab ich da nie n Drama draus gemacht. Hab sogar meinen Infusionsständer geschrottet, weil ich ihn als Roller missbraucht habe.  

Ich: Wie alt bist Du jetzt?

Der linke Junge: 30.

Ich: Ist natürlich auch schwer zu tragen für eine 17-Jährige. Obwohl Mädels meist weiter sind als Jungs.
Und gibt es kein Zurück mehr? Nun, wo es dir besser geht?

Der linke Junge: Ich mach ihr keinen Vorwurf, aber was hin ist, ist hin. Wie könnte ich ihr wieder vertrauen, ohne zu befürchten, dass sie es sich morgen wieder anders überlegt.
Zumal sie inzwischen auch Drogen und das Nachtleben für sich entdeckt hat und sich da natürlich ausprobieren möchte. Sie ist jung und schön und da wird sie dort eben auf Händen getragen.
Das ist entspannter, als eine Beziehung mit nem doppelt so alten, melancholischen Trinker, der 600km entfernt lebt.

Ich: Dein Leben ist ja tatsächlich ein Bukoswki-Roman. 
Die Größe, sie einfach so aufzugeben, hätte ich nicht. Obwohl es schlüssig klingt, was du sagst. Aber ich hätte es mir so hingedreht: Wenn ich kein melancholischer Trinker wäre, der 600km entfernt lebt, hätte sie mich nicht verlassen. Also muss ich zusehen, kein melancholischer Trinker, der 600km entfernt lebt, mehr zu sein, und dann hol ich sie mir zurück. 

Wobei 17 eben auch arg jung ist, die Chance, dass sie sich in ein paar Jahren zu einem anderen Menschen entwickelt, dich dann verlässt, ist nicht gerade klein.  
Also, du handelst schon vernünftig. Aber ich bin immer eher unvernünftig, wenn es um Liebe geht.

Vorläufiges Ende. Wir werden das Gespräch fortführen. Auch und gerade über Politik.

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