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Lüschow nimmt zunächst die Spießer aufs Korn, mit all ihren Widersprüchen, ihrer Bigotterie und auch in der alternativen Szene werden die Protagonisten ihren eigenen Idealen alles andere als gerecht. In diesem Umfeld versucht die starke und kluge Ursula ihren Weg in die Freiheit – und zu sich selbst. Den Reiz macht aber gar nicht so sehr die Handlung aus, die der Film teilweise nur deswegen zu haben scheint, weil ein Film eben eine Handlung haben muss.

„Petting statt Pershing“ ist allenfalls am Rande eine Coming-of-Age-Geschichte. Ursula, sehr authentisch von Anna Hornstein gespielt, schlägt die Zuschauer von Anfang an in ihren Bann. Als Sympathieträgerin hat sie es relativ leicht, schließlich haben alle zumindest eine Macke, mitunter geradezu gruselige Züge. Dennoch bleibt jede Person auf ihre Art sympathisch. Selbst Opa, dessen Zeit irgendwo vor 1945 stehen geblieben ist.

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In einer schon fast dekonstruktivistischen Art wird die damalige Gesellschaft, insbesondere die Sexualmoral, auseinandergenommen. Spießer versuchen bürgerliche Moralvorstellungen zu bewahren; doch im Grunde herrscht hinter der bröckelnden Fassade ein ebensolches Sodom und Gomorrha wie bei den „Müslis“, die ihre freie Liebe predigen.

Ob Spießer oder Müsli, letztlich ist ein jeder Gefangener seinen eigenen Konventionen. Man steht sich meist selbst im Weg beim Aufbruch in die Freiheit.

Foto: © Stefan Jahnel

Regisseurin und Drehbuchautorin Petra Lüschow ist selbst in dieser Zeit groß geworden, betont jedoch, dass der Film keinerlei autobiographischen Züge hat. Ihre Sympathie für die damalige alternative Szene kann sie jedoch kaum verbergen.

Unter dem Witz und der Ironie des Films versteckt die Regisseurin geschickt ihre tiefe Melancholie, vielleicht auch ihre leichte Traurigkeit darüber, dass die Träume der damaligen Zeit gescheitert sind.

Ein toller Film, sehenswert vor allem für diejenigen, die ihr Leben nur auf gesellschaftliches Ansehen und ihre Karriere ausrichten.

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Ein Kommentar

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  • „wird die damalige Gesellschaft, insbesondere die Sexualmoral, auseinandergenommen. Spießer versuchen bürgerliche Moralvorstellungen zu bewahren;“
    Das ist doch heute viel schlimmer. Man scheint Sitten, Moral und Gesetze den Gläubigen anzupassen, und manche Rechte bejubeln das noch.

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