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Ich denk dann immer: Wenn du wüsstest. Ich schreib fast täglich über die Liebe. Bis vor einigen Wochen mehrmals täglich. Aber es sind halt Briefe. Die ich nicht veröffentliche. Nur heute, heute teile ich einen dieser Briefe mit Leuten, die, wie ich, Mitglieder im Fanklub der Sehnsucht sind.

Als die Zauberinsel noch ein Versprechen war

Ich versuche nichts zu essen, was mich an Dich erinnert. Vorhin machte ich eine Ausnahme. Hab Riesengarnelen in Aioli getunkt und mit Baguettebrot verputzt. Wie damals, im Dezember auf der Finca. Vor knapp vier Jahren, als die Zauberinsel ein Versprechen war, Du noch ein bisschen kaputt warst, wir aber, wir, schon fast wieder heile waren.
Schmeckte so semi. Aioli immer selbst machen, weißt ja. 

Ich meide den Wald, durch den Du reitest, den Strand, an dem wir lagen, die Promenade, an der Du sagtest: „Mensch, Baby, jetzt gib mir mein Kleid, ich will nicht im Bikini durch die Stadt laufen, wie die scheiß Touris! Manno!“ 

Ich geh nicht bei Nicole vorbei, weil Du dort vielleicht auf der Veranda sitzt, ein Glas Wein in der einen Hand, eine selbstgedrehte Zigarette in der anderen, und lachst.  

Auf YouTube schaue ich nichts mehr an, was wir uns ansahen. Allein schon die Stimmen der Sprecher von „Medical Detectives“ boxen mich um. Stolpere ich bei Netflix über eine Serie, von der ich annehme, sie könne Dir gefallen, versuche ich sie mir zu merken (was selten gelingt), für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass ich sie Dir irgendwann zeigen kann. 

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Wenn ich durch unser Dorf gehe, in der Ferne ein Mädel sehe, das lange, dunkle Haare und einen schlanken Körper hat, halt ich kurz inne, mein Herz beginnt zu rasen, womöglich bist Du es ja, dann will ich nur noch weg. 

Nur unsere Babes, die kann ich nicht meiden, nicht umgehen, nicht verdrängen. Sie brauchen mich ja. Und klar erinnern sie mich an Dich. Immer. Wie glücklich Du warst, als Du Tramp das erste Mal auf dem Arm hattest; wie stolz Du warst, als Lana die Tricks, die Du ihr beibrachtest, so schnell lernte; wie Du Sugar die Flasche gabst, wie wir weinten, als der Tierarzt meinte, sie wird’s wohl nicht schaffen.
Hat Nicole Dir erzählt, wie gut es Sugar heute geht? Groß ist sie geworden, und stark. „Leg dich nicht mit Sugar an!“, rate ich fremden Hunden.
Und wenn mal eine Frau kommt, sind sie immer ganz aufgeregt, unsere Babes. Weil sie Dich vermissen, da bin ich sicher.

Auf Tinder wische ich Mädels nach links, die auf Pferden sitzen. Na ja, das stimmt nur so halb, in Wahrheit wische ich nur Mädels nach links, die auf Pferden sitzen u n d kacke aussehen. Wie auch immer, die Sache ist: Was ich auch anstelle, es gelingt mir keinen gottverdammten Tag, nicht an Dich zu denken.
Ich wünschte, ich könnte zurück, zurück in die Zeit, als die Zauberinsel noch ein Versprechen war.

Gestern sagte mein kleiner Sohn mit der Weisheit eines reifen Mannes: „Sie weiß, dass du gut schreiben kannst, der Zauber wirkt nicht mehr.“ Das mag sein. Und dann sagte er noch: „Geh einfach zum Stall und schnapp sie dir, Papa!“ 

„Schnapp sie dir“, das klingt männlich, klingt es aber auch nur. Ein richtiger Mann lauert nicht auf, er bedrängt nicht, er bringt die Frau, die er liebt, nicht in eine unangenehme Situation.  
Sie weiß um meine Gefühle. Das muss reichen.


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3 Kommentare

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  • Wenn sie um Deine Gefühle weiß und dennoch nicht zu Dir zurückkehrt, kann das zwei Gründe haben. Entweder liebt sie Dich nicht mehr oder der Grund, warum sie von Dir fortging, besteht nach wie vor – was bedeuten würde : sie kann nicht zurück.
    Ich wünsche Dir den Mut und die Kraft, es herauszufinden. Es bedeutet weder, dass Du ihr auflauerst, noch, dass Du sie bedrängst, noch, dass Du sie in eine unangenehme Situation bringst. Verschaffe Dir Klarheit.Sie bringt Dir entweder neue, berechtigte Hoffnung oder sie führt dazu, dass Du endlich loslassen kannst.

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