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Was es für eine Arbeit war ein Kassettenmädchen zu beglücken. Lieder auswählen, strukturieren, die Singles und Langspielplatten auf einem… und so weiter und so fort, die Hülle beschriften, Künstlername, Lied, Erscheinungsjahr, und natürlich brauchte das Werk auch einen Namen — sowas wie: „Mai, Juni, Juli-Sonaten für mein Sommersprossen-Mädchen“.   
Da konnte schon mal ein halber Tag draufgehen. 

Doch es lohnte sich, es lohnte sich immer. Wir machten keine große Sache draus, wenn wir unseren Mädchen eine dieser Kassetten von BASF, Philips oder TDK in die Hand drückten, obwohl es eine große Sache war, in der viel Erwartung streckte, doch wir waren in dem Alter viel zu cool, um uns das anmerken zu lassen: „Hier, hab dir da eben noch schnell was aufgenommen.“   

Wie sie strahlten. Als hättest du ihnen ein pinkes Cabrio vor die Tür gestellt. Vielleicht, weil sie wussten, dass wir ihnen mit so einem phonetischen Liebesbrief auch unsere Herzen schenkten.
Ich seh sie noch, wie sie sich auf die Zehenspitzen stellten, um uns einen Kuss zu geben. Wenn’s gut lief einen französischen, der irgendwie immer, in meiner Erinnerung zumindest, nach Kaugummi mit Fruchtgeschmack schmeckte; Kirsche meist.    

So ab Mitte der Neunziger war die Ära der Kassettenmädchen vorbei. Verzweifelt versuchten wir, die Magie aufrechtzuerhalten, indem wir unseren Mädels CDs brannten, aber das war einfach nicht mehr dasselbe.
Der Zauber war verflogen.

Und heute?
„Ich hab Dir eine Playlist zusammengestellt“, schrieb ich einer Frau von Bedeutung in der letzten Nacht.
Ja, und? Will ich jetzt ernsthaft drüber jammern, dass die Zeit der Kassettenmädchen vorbei ist? Ich nicht mehr in ranzigen Plattenläden in New Jersey, London oder Hamburg tagelang nach Musik suchen muss, die ich heute mit einem Klick auf Spotify bekomme? Für Neun scheiß Euro Neunzig im Monat? Wofür es damals noch nicht mal eine Langspielplatte gab?
Und alles auch noch in 1a-Qualität?
Nö. Ich bin noch nicht bereit für die „Früher war alles besser!“ – Nummer. 

Der einzige Nachteil einer Playlist ist, dass du sie der Dame deines Herzens nicht in die Hand drücken kannst. Doch das spielt in meinem Fall keine Rolle. Sie würde sich eh nicht auf die Zehenspitzen stellen und ob sie nach Kirsche schmeckt, wird ihr Geheimnis bleiben. 
Geht das Ende auch ein bisschen weniger larmoyant? Aber sicher! Es spielt keine Rolle über was für einen Tonträger deine Musik in ihr Herz gelangt. Es zählt nur, dass Du den Willen hast sie mit ihr zu teilen. 
Denn d a n n weißt du: Sie ist die Richtige.  

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