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Auf Arminia lasse ich nichts kommen; nicht mal, wenn Oliver, noch immer gezeichnet vom Abstieg und dem verpassten Wiederaufstieg seines „großen“ HSV, mal wieder den Finger in die vermeintliche Wunde legt. „Wie ist das eigentlich so“, fragte er mich vorgestern, „wenn man Fan von einem kleinen Club ist, der noch nie etwas gewonnen hat?“. Ich erwiderte: „Geil!“.

Seinen Verein sucht man sich schließlich nicht aus, das machen höchstens die Eventfans aus dem Hinterland der schwäbischen Provinz; du wirst reingeboren und rausgestorben. Für einen echten Fan gibt es auch keinen Zweitverein in einer anderen Liga, den man unterstützt, weil der vielleicht ein wenig erfolgreicher ist. Nein, man ist mit Herz und Seele Armine, selbst wenn sie dich – wie mich damals – mit Schimpf und Schande aus dem Amt jagen.

Der Hundert-Tore-Sturm

Christian Sackewitz
Gehörte zum Hundert-Tore-Sturm – Christian Sackewitz

Große Spiele habe ich auf der Alm gesehen, zum Beispiel das 11:0 gegen Arminia Hannover, als der Hundert-Tore-Sturm Angst und Schrecken in sämtlichen Stadien verbreitete und den bis heute gültigen Rekord in der Zweiten Liga hält, was die Punkte pro Spiel und die Tordifferenz von +89 angeht (120:31). In der Saison davor hinterließ die Truppe im legendären Bayernspiel (4:0-Auswärtssieg) noch Fußballgrüße aus Bielefeld – und stieg dennoch ab. Für die Bayern ist diese Niederlage die zweithöchste ihrer Bundesligageschichte, nur der FC Schalke 04 brachte den Roten 1976 mit einem 7:0 im Olympiastadion eine höhere Niederlage bei.

Niederlagen gab es zuhauf. Schmerzliche sogar, zum Beispiel das 1:11 in Dortmund. Wir führten 1:0 und zur Pause stand es 1:1, und dann kamen Manni Burgsmüller und Bernd Klotz und nahmen uns auseinander, als wären wir eine Thekenmannschaft. Zehn Tore in einer Halbzeit sind noch heute Bundesligarekord. Jeder Hoffenheimfan wäre danach vermutlich zum VfB Stuttgart gewechselt, wir hingegen blieben treu.

Erfolge sind eben relativ. Wenn Arminia diese Saison in die Bundesliga aufsteigt, dann ist das für uns mehr wert als die Meisterschaft für den FC Bayern. So ein Aufstieg ließe sich mit einem Sieg des BVB in der Champions League gleichsetzen.

Es ist uns Arminen natürlich völlig klar, dass wir niemals Deutscher Meister werden, zumindest dann nicht, wenn alles normal läuft. Aber – unter uns – den DFB-Pokal zu gewinnen, das ist durchaus realistisch. Natürlich im Finale gegen den HSV.

Bild: Nach dem Sieg im Viertelfinale des DFB-Pokals 2015 gegen Borussia Mönchengladbach © Getty Images

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14 Kommentare

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  • Guter Bericht 😉 Allerdings auch in der schwäbischen Provinz ist man seinem Verein treu und dies auch in Liga 5. Sportliche Grüße aus Reutlingen

  • Klasse Bericht. Ich bin seit 35 Jahren Fan vom 1.FC Magdeburg , wir dümpelten auch 25 Jahre komplett im Niemandsland und trotzdem sind wir immer wieder zu den Spielen gefahren. Halt einmal, immer. Es ist genauso wie Alex schreibt. Solche Fans sind mir tausendmal lieber als die ganzen erfolgsfans, die in schlechten Zeiten nicht mehr zu ihrem Verein stehen.

  • Gerade als Fan von Union Berlin kann ich diesem Bericht nur zustimmen.
    Ach Oli und die HSV Fans ,dass die sich überhaupt noch auf die Straße trauen.😂😂😂

  • Wenn Dein Verein mal was gewonnen hat, willst Du immer wieder Titel. Seit Tull Harder steht der HSV in den Meister-Annalen, also ist das der Anspruch für alle Zeiten. Deswegen ist es viel schwieriger, ja viel bemerkenswerter, noch immer HSV-Anhänger zu sein. Als Armine erwartet man nichts und bekommt nichts; als HSV-Anhänger erwartet man europäischen Spitzenfußball und bekommt eine Minusleistung nach der anderen. Das ist wesentlich deprimierender.
    Dieses Jahr steigt der HSV wieder nicht auf. Mir blutet einerseits das Herz, andererseits ist es besser, schon jetzt alle Hoffnung fahren zu lassen.

    • Ihr seid wenigstens noch 2
      Liga. Wir zu ddr Zeiten absoluter spitzenverein als einziger Europacupsieger sind 25 jahre komplett im Amateurbereich verschwunden. Das hat richtig weh getan zu sehn wie viele an uns vorbeigezogen sind die früher Nix gegen uns holten. Ich hoffe wir halten jetzt wenigstens die 3
      Liga

    • Der HSV wird diesmal aufsteigen, mit Hecking, aber ohne Hymne. Das Problem wird das Drinbleiben. Wir haben es in der abgelaufenen Saison geschafft und werden womöglich am Ende der nächsten wieder runtergehen, der ewige Fahrstuhl eben.

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